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News: Gute Sicht durch Mikro-Endoskope

Die Mikrotherapie kann immer präziser einzelne, bisher 'unsichtbare' Feinstrukturen des menschlichen Körpers sichtbar und damit operierbar machen. Feinste Sonden und Instrumente zwischen 0,1 und einem Millimeter ermöglichen bisher undenkbare Operationen, Medikamente können millimetergenau gespritzt werden, z.B. direkt neben Nervenfasern oder dem Rückenmark. Am Ort der Erkrankung wird hochpräzise operiert oder es werden hochwirksame Dosierungen injiziert, der Rest des Organismus bleibt verschont. Dazu ist allerdings eine Voraussetzung zu erfüllen: Der Arzt muß mit modernen computer-gestützten Verfahren 'sehen', wo er gerade operiert. Bei ihm liegt es auch, das am besten geeignete bildgebende Verfahren auszusuchen.
In einer Studie hat Dietrich H.W. Grönemeyer (an der Universität Witten/Herdecke Inhaber des Lehrstuhls für Radiologie und Mikrotherapie) die Leistungsfähigkeit mehrerer bildgebender Steuerungsverfahren verglichen. Die Ergebnisse trug er am 30.September 1999 auf dem "Forum Mini-Endoskopie", einer Fachtagung des "Forum MedizinTechnik und Pharma in Bayern e.V." in Ingolstadt vor.

Nach seinen Aussagen sind die Computertomographen (CT) und die ultraschnellen Elektronenstrahl-Tomographen (EBT) den Kernspintomographen (MRI) überlegen, wenn es um hochpräzise Mikro-Eingriffe im Gehirn oder an der Wirbelsäule geht. Zwar können die Kernspintomographen mehr Schichten abbilden und sie kommen ohne Röntgenstrahlen aus, aber die Aufnahme der Bilder dauert bis zu 200% länger und die Instrumentenspitzen sind nicht sicher genug abgrenzbar. Daraus ergibt sich eine zu hohe Ungenauigkeit und eine "Verzögerung" bei Mikro-Operationen. Bei Eingriffen in das Gehirn, etwa um ein Instrument oder ein Medikament in einen extrem kleinen Tumor zu bringen, kann diese Verzögerung unter Umständen das Leben des Patienten gefährden.

Daher bevorzugt Grönemeyer die Computer-Röntgen-Verfahren, zumal er Minimal-Dosen von bis zu zwanzig Milliampèresekunden pro Bild für den Computertomographen und mit bis zu fünfzig Millisekunden pro Bild für den Elektronenstrahl-Tomographen ausnutzen konnte. Diese Werte sind bis zu zehnmal niedriger als bei herkömmlichen CTs. Die beste Sicht ergab die Arbeit mit einem 0,6 mm Endoskop, das gute Bilder aus Hirnhöhlen (Ventrikel) und dem Rückenmarkskanal lieferte und sogar einzelne Nervengruppen erkennbar werden ließ. Mit diesem Verfahren gelangen Grönemeyer neben Untersuchungen in der Wirbelsäule, im Gehirn und am Trigeminus-Nerv auch gute Erfolge bei Bandscheibenoperationen: Bei 100 Patienten wurde – unter dem CT- bzw. EBT-Beobachtung – mit einem Laser ein Teil der Bandscheibe entfernt und so der Druck auf die Bandscheibe verringert. 82% der Patienten waren nach dem Mikroeingriff beschwerdefrei.

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