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Naturschutz: Gute und schlechte Nachrichten zu Deutschlands Natur

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Die Lage der deutschen Natur und ihrer Artenvielfalt bleibt weiterhin ernst – immer noch sind viele Tier- und Pflanzenarten ihrem Bestand bedroht. Bei einigen wenigen Spezies hat sich die Gefährdungssituation aber auch verbessert.

Die entsprechenden Informationen veröffentlichte nun das Bundesamt für Naturschutz und das Bundesumweltministerium in seinen "Daten zur Natur 2004". Demnach sind mehr als ein Drittel der heimischen Säugetier-, Vogel-, Tagfalter- und Pflanzenspezies sowie fast drei Viertel aller Amphibien und Reptilien gefährdet oder schon ausgestorben. In der Vogelwelt gibt es allerdings ebenso positive Nachrichten: Mehr als sechzig Spezies konnten ihren Bestand vergrößern – zum Teil so stark, dass sie wie das Blaukehlchen (Luscinia svecica) oder der Alpensegler (Apus melba) in niedrigere Gefährdungskategorien heruntergestuft werden konnten.

Auch bei den meisten Fledermausarten gibt es Populationszunahmen wie etwa beim Großen Mausohr (Myotis myotis), das durch Nahrungsmangel und Anreicherung von Pestiziden im Körper fast ausgestorben wäre. Bei den Fledertieren griffen spezielle Schutzmaßnahmen wie verringerter Gifteinsatz in ihren Lebensräumen und besonderer Schutz der Schlaf- und Winterquartiere.

Günstig entwickelt sich zudem die Situation für Wanderfische wie den Lachs (Salmo salar) oder die Meerforelle (Salmo trutta), die von der zunehmenden Sauberkeit deutscher Flusssysteme wie Rhein und Elbe sowie von extra eingerichteten Fischpässen zum Überwinden von Hindernissen profitieren.

Weiter abwärts geht es dagegen bei vielen Biotoptypen sowie Pflanzengemeinschaften Deutschlands, die insbesondere unter der Flächenversiegelung und der intensiven Landwirtschaft leiden. So wurden im Jahr 2003 etwas mehr als neunzig Hektar freier Fläche pro Tag überbaut, und die Zahl großer, von Autobahnen oder Bahn-Fernstrecken unzerschnittener Areale nahm innerhalb von sechs Jahren um knapp sechzig Flächen ab. Das Hauptproblem im Agrarbereich bleibt der hohe Düngemitteleinsatz, der zu einer Eutrophierung auch ungenutzter Lebensräume führt. Dadurch kommt es zu einer Verdrängung von Arten, die auf nährstoffarme Bodenverhältnisse angewiesen sind.

Zum Schutze der Natur wurden seit 1997 die dafür ausgewiesenen Gebiete von 2,3 Prozent auf 2,9 Prozent der Landesfläche der Bundesrepublik vergrößert. Zudem erfolgte 2004 die Neuausweisung zweier Nationalparks: im Kellerwald-Edersee und in der Eifel. Sie schützen das für Deutschland typische Buchenwaldökosystem, das auch seinen Verbreitungsschwerpunkt in Mitteleuropa hat.

Insgesamt leben in Deutschlands Natur etwa 48 000 Tier- und 28 000 Pflanzen- sowie Pilzspezies, was eine Zunahme um 4000 Arten seit dem letzten Zensus 1982 bedeutet. Die Ursachen liegen unter anderem in einer verbesserten Erfassung der Vielfalt. Dazu kommen neu eingewanderte Arten wie der Halsbandsittich (Psittacula krameri) aus Asien oder der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) aus dem Kaukasus. Dann und wann gibt es allerdings auch wissenschaftliche Neufunde: Erst 2004 wurde eine endemische Laufkäferart am Feldberg entdeckt.

Und auch der globale Klimawandel macht sich in Deutschlands Natur bemerkbar. Bei 99 untersuchten Vogel-, Schmetterling- und Pflanzenarten ließen sich in den letzten Jahrzehnten Verschiebungen der Arealgrenzen um durchschnittlich 6,1 Kilometer nach Norden und 6,1 Höhenmeter pro Jahrzehnt belegen. Bei weiteren 172 Spezies kam es zu einer um 2,3 Tage pro Jahrzehnt vorverlegten Frühjahrsentwicklung (Brut, Blüte). Und auch das Zugverhalten vieler Vögel wie Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla) oder Stieglitz (Carduelis carduelis) belegt eine Erwärmung: Sie ziehen gar nicht mehr oder nur noch kurze Strecken im Vergleich zu früher.
05.03.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 05.03.2005

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