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Sprachforschung: "Häh?!"

Elena BernardLaden...

Wenn wir einem Inder begegnen, sollten wir lieber nicht nicken, um unsere Zustimmung auszudrücken, denn in Indien bedeutet diese Geste eine Verneinung. Und wenn wir in Italien ein kaltes Getränk bestellen möchten, liegen wir mit dem Wort "caldo" falsch – denn das heißt "warm". Gesten und Worte können in fremden Ländern schnell zu Missverständnissen führen. Wenn wir aber mal gar nichts verstanden haben, können wir zumindest mit einem Wort nichts falsch machen: "Häh?" Dieser simple Laut des Unverständnisses ist zwar nicht besonders höflich, aber dafür weltweit universell.

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Häh auf verschiedenen Sprachen

Forscher um Mark Dingemanse vom Max Planck Institute for Psycholinguistics in Nijmegen haben sich mit Tonaufnahmen aus insgesamt 31 Sprachen beschäftigt, von Englisch über Mandarin bis hin zu Murriny Patha, einer Sprache der Aborigines. In allen Sprachen gebrauchen Menschen einen ähnlichen Laut, um ihrem Gegenüber zu signalisieren, dass sie ihn nicht verstanden haben. Und das versteht dann jeder, egal ob es sich um das englische "huh?", das spanische "e?" oder das chinesische "a?" handelt. Die Forscher vertreten die Überzeugung, dass "Häh?" durchaus als Wort und nicht nur als unwillkürlicher Laut anzusehen ist. Immerhin, so sagen sie, muss das "Häh?" von Kindern erst gelernt werden und wird bewusst zur Kommunikation eingesetzt.

Die schwierige Situation des Nicht-Verstehens sorgt laut Dingemanse und Kollegen für besondere Anforderungen an ein Fragewort: Es sollte kurz und ohne viel Nachdenken auszusprechen sein und es muss fragend klingen, um den Gesprächspartner dazu zu bringen, seine Aussage zu wiederholen. All diese Ansprüche erfüllt das bisher von der Forschung so schmählich vernachlässigte "Häh?" Die Forscher vermuten, dass gerade die perfekte Anpassung an eine spezielle Gesprächssituation dazu geführt hat, dass sich in verschiedenen Ländern unabhängig voneinander ein ähnliches Wort entwickelt hat – quasi eine konvergente Evolution, wie wir sie aus dem Tierreich kennen. Alles klar? Wenn nicht, können Sie jetzt immerhin in jeder Sprache der Welt ihre Verwirrung ausdrücken!

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