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Verhaltensforschung: Hähne krähen nach der Uhr und mit dem Nachbarn

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Hahnenkrähen ist überall auf der Welt ein Zeichen für den Tagesanbruch, doch bis jetzt war ungeklärt, ob die Hähne wirklich schlicht auf den Sonnenaufgang reagieren – oder ob womöglich eine von Umweltreizen wenig beeinflusste innere Uhr ihr Krähen bestimmt. Japanische Wissenschaftler um Takashi Yoshimura von der Nagoya University haben das Kikeriki nun genauer unter die Lupe genommen. Dabei stellten sie fest, dass Hähne, die mehrere Wochen künstlich konstantem Dämmerlicht ausgesetzt waren, trotzdem weiter jeden Morgen kurz vor Beginn der jahreszeitlich zu erwartenden Morgendämmerung krähten. Die Forscher sehen damit belegt, dass die Lautäußerung der Vögel einem zirkadianen Rhythmus folgt, der durch einen inneren biologischen Zeitgeber reguliert wird.

Die Hähne lebten im Experiment für mehrere Wochen permanent videoüberwacht in einem isolierten Raum bei konstant gedämpftem Licht. Ebenso wie ihre Verwandten in freier Wildbahn, die Bankivahühner, setzten die Hähne im Versuchsraum aber trotzdem etwa zwei Stunden vor der naturgemäßen Morgendämmerung zu ihren Kikeriki-Rufen an.

Bekanntlich krähen Hähne aber nicht nur kurz vor Sonnenaufgang, sondern auch zu anderen Tageszeiten. Die Forscher wollten deshalb überprüfen, ob das Krähen wirklich gar nicht durch externe Reize wie etwa das Umgebungslicht beeinflusst wird. Dazu setzten sie die Hähne bei Morgendämmerung 30-minütigen Lichtreizen aus, die in ihrer Intensität variierten. Tatsächlich krähten die Hähne nun umso häufiger, je höher die Lichtintensität war. Hähne, die in Hörweite voneinander leben, scheinen sich aber zudem gegenseitig mit ihren Kikeriki-Rufen anzustecken. Deshalb spielten die Wissenschaftler den Hähnen als Nächstes das Krähen eines vertrauten Artgenossen vor. Nun konnten sie beobachten, dass die Vögel umso öfter antworteten, je lauter der Tonstimulus dargeboten wurde. Schalteten sie Licht und Ton gleichzeitig ein, krakeelten die Hähne noch zahlreicher.

Um die Abhängigkeit des Krähverhaltens von der Tageszeit zu untersuchen, präsentierten die Forscher Licht und Ton zu verschiedenen Uhrzeiten und zählten die Anzahl der Lautäußerungen während eines halbstündigen Intervalls. Während der ersten Tageshälfte lösten die beiden Reize deutlich häufigeres Krähen aus. Die Forscher schließen daraus, dass nicht nur das frühmorgendliche Krähen, sondern auch alle durch externe Reize ausgelösten Kikeriki-Schreie durch die innere Uhr kontrolliert werden.

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