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News: Hände hoch

Völlig entzückt lauschen wohl alle Eltern dem ersten Wort ihres Nachwuchses - egal ob es "Mama", "Papa" oder vielleicht "Auto" lautet. Doch bevor die Kleinsten Worte formen können, erfassen sie bereits im zarten Alter von sieben Monaten die spezielle Rhythmik der Sprache.
Eine Sprache lebt nicht nur durch die Worte, die sie benutzt, sondern auch durch die ihr eigene Rhythmik und Sprachmelodie. Manchmal kommt als zusätzliches Unterscheidungsmerkmal die Tonhöhe hinzu. Während für manchen Erwachsenen diese Hürden zum Erlernen einer Sprache schier unüberwindbar erscheinen, lernen Säuglinge und Kleinkinder problemlos, fast spielerisch, den Umgang mit den unbekannten Wörtern.

Bevor die Kinder ihre ersten halbwegs verständlichen Wörter von sich geben, brabbeln und lallen sie im Alter von sieben Monaten vor sich hin. Warum eigentlich? Damit üben sie lediglich ihren Sprechapparat ein, behaupten Vertreter der "motorischen Hypothese". Falsch, sagen Wissenschaftler, die von der "linguistischen Hypothese" überzeugt sind. Das Lallen sei schon der erste Versuch, die typischen Charakteristika der Sprache, wie Sprachmelodie und Rhythmus, zu erfassen.

Wer hat nun Recht? Um diese Frage zu beantworten beobachteten Laura Ann Petitto vom Dartmouth College und ihr Team die Reaktionen von sechs Babys mit einwandfreiem Gehör, von denen drei gehörlose Eltern und die anderen drei normal hörende Eltern hatten. Die Wissenschaftler untersuchten die kindlichen Handbewegungen im Alter von sechs, zehn und zwölf Monaten, indem sie diese als Videoaufzeichnungen festhielten und die dreidimensionale Bewegung durch ein optoelektronisches Positionserfassungssystem verfolgten.

Hierbei zeigte sich, dass die Kinder, die durch ihre Eltern mit der gesprochenen Sprache vertraut waren, nur auf eine bestimmte Art mit ihren Händchen winkten. Anders sah es dagegen bei den Kindern aus, die mit Gebärdensprache aufwuchsen: Neben dem schnellen Winken gab es bei ihnen noch eine zusätzliche gemächlichere Handbewegung. Ihr Bewegungsrepertoire war also viel differenzierter als bei den Kindern hörender Eltern.

Aus dieser Differenzierung schließt Petitto, dass die Kleinkinder sehr wohl feine Unterschiede in der Sprachmelodie und im Rhythmus erfassen können – und sei es bei der Gebärdensprache. Genau das sagt die "linguistische Hypothese" voraus, die sich damit zu bewahrheiten scheint. Wäre die "motorische Hypothese" korrekt, dann hätten sich die Bewegungsmuster der Kinder nicht unterschieden.

Als nächstes will das Team den Auswirkungen des Singsangs auf die Spur kommen, mit dem sich Eltern oft mit ihren Babys "unterhalten". Hierbei wollen sie erkunden, wie sensibel die Kinder auf die rhythmischen Sprachmuster ihrer Eltern reagieren.

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