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Biopsychologie: Hängt die Persönlichkeit mit dem Äußeren zusammen?

Beides würde gemeinsam vererbt, so lautet eine Theorie. Das trifft aber nur auf ein Geschlecht und wenige Facetten zu.
Porträtfotos von Menschen, jung und alt, Männer und FrauenLaden...

Eine umstrittene Theorie der Persönlichkeit besagt, dass bestimmte Eigenschaften gemeinsam mit dem äußeren Erscheinungsbild und der körperlichen Konstitution vererbt werden. Das sei evolutionär sinnvoll, denn so verhalte sich der betreffende Mensch passend zu seinen physischen Möglichkeiten. Psychologen der Universität Göttingen haben diese Hypothese überprüft – und größtenteils verworfen, wie sie in der Zeitschrift »Evolution and Human Behavior« schreiben.

Das Team um Lars Penke ließ gut 300 Studierende der Universität Göttingen und der University of Edinburgh ihre eigene Attraktivität sowie verschiedene Facetten ihrer Persönlichkeit beurteilen, darunter die Neigung zu Aggression, Extraversion und Schüchternheit. Um objektive Maße für Aussehen und Physis zu erhalten, erstellten die Forschenden 3-D-Scans von Gesicht und Körper, wobei die Versuchspersonen eng anliegende Anzüge trugen. Anhand dieser Aufnahmen ließen sie dann die Attraktivität von weiteren Studierenden beurteilen. Des Weiteren wurden Lungenfunktionen und Handgreifkraft gemessen.

Ob die Frauen in den Augen anderer attraktiv waren, verriet nichts über ihre Persönlichkeit. Fanden sie sich aber selbst hübsch, verhielten sie sich laut eigener Auskunft auch geselliger und weniger schüchtern. »Ihr positives Selbstbild könnte der Grund dafür sein«, sagt Erstautor Christoph von Borrell. Hinter dem Zusammenhang steckte nicht die tatsächliche Attraktivität, sondern die mehr oder minder wohlwollende Selbstbeurteilung.

Bei Männern spielte es für etliche Eigenschaften ebenfalls eine größere Rolle, wie attraktiv sie sich selbst fanden. Doch bei ihnen beobachteten die Forschenden auch Zusammenhänge mit der tatsächlichen Konstitution. Maskulin gebaute Männer hielten aggressives Verhalten für nützlicher, und außerdem waren physisch starke und maskuline Männer aktiver und durchsetzungsfähiger – Facetten der Extraversion, die eine gewisse Fitness und Konfliktbereitschaft voraussetzten, wie die Autoren erklären. Eine schwächere Konstitution ging umgekehrt teils mit neurotischen Zügen und Schüchternheit einher. Viele andere Merkmale jedoch, etwa Geselligkeit, Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit, hingen bei beiden Geschlechtern nicht mit Körperkraft oder Attraktivität zusammen.

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