Produktion von Mikrochip: Halbleiter könnten schon bald im All gefertigt werden

Das britische Luft- und Raumfahrtunternehmen Space Forge möchte künftig Halbleiter im Weltraum herstellen – und das ohne die Mitwirkung von Menschen. Nun gab die Firma bekannt, diesem Ziel einen großen Schritt näher gekommen zu sein: Sie hat erstmals ein Plasma an Bord eines kommerziellen Satelliten erzeugt.
Die Herstellung von Halbleitern erfordert äußerst präzise Bedingungen. In der Vergangenheit haben bereits die NASA und andere industrielle Unternehmen argumentiert, dass die Umgebung des Weltraums für die Produktion besser geeignet sei als die Erde. Die Gründe dafür sind vielfältig. Unter anderem herrscht dort eine extrem saubere Vakuumumgebung. Dadurch lassen sich die Halbleiterkristalle in der Schwerelosigkeit mit deutlich weniger Defekten und Verunreinigungen züchten.
Wie der stellvertretende Direktor des Aerospace Security Project am Center for Strategic and International Studies, Clayton Swope, erklärt, baut die Leistung von Space Forge auf früheren Experimenten in der Internationalen Raumstation ISS auf. »Der Hauptunterschied besteht darin, dass das Verfahren nun ohne Menschen auf einem rein kommerziellen Raumfahrzeug durchgeführt wurde«, sagt er. »Das zeigt, dass die Herstellung von Halbleiterkristallen im Weltraum allein mit Maschinen möglich ist.«
Laut dem Geschäftsführer von Space Forge, Joshua Western, beweist die neueste Arbeit, dass die Halbleiterfertigung auf einem kommerziellen Satelliten erreicht werden kann – und damit die Tür zu einem völlig neuen Fertigungsbereich geöffnet wird. Die Firma hat ihren Satelliten ForgeStar-1 im Juni 2025 in Betrieb genommen. Dieser verfügt über einen Ofen, der nach Angaben des Unternehmens Temperaturen von rund 1000 Grad Celsius erreicht.
Auch andere Unternehmen und Forschungsteams steigen in die Raumfahrtindustrie ein. So zeigte das Startup Varda Space Industries im Jahr 2024, dass es möglich ist, Kristalle des antiviralen Medikaments Ritonavir auf einem unbemannten kommerziellen Raumfahrzeug zu züchten und zur Erde zurückzubringen. Und Forschende von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich haben im November 2025 in der Mikrogravitation menschliches Gewebe mit einem 3D-Drucker hergestellt.
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