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Robotik: Eiskaltes Robo-Händchen läuft und greift

Eine abgetrennte Hand, die herumlaufen kann, gab es nur im Film – bis jetzt jedenfalls. Eine eigens konstruierte Roboterhand kann sich vom Arm lösen, herumlaufen und Dinge greifen.
Ein Roboterarm, gekennzeichnet mit "KUKA", bewegt sich in einer Laborumgebung. Der Arm greift nach einem kleinen, sechsgliedrigen Roboter auf einem Tisch, der einen blauen und einen gelben Block trägt. Der Roboterarm ist in mehreren Phasen der Bewegung dargestellt, um den Greifvorgang zu veranschaulichen. Im Hintergrund sind Kabel und ein weiteres kleines Objekt zu sehen. Die Szene zeigt eine Interaktion zwischen einem Industrieroboter und einem mobilen Roboter.
Arm dran, Arm ab: die überraschend mobile Roboterhand.

Abgetrennte Hände können überraschend praktisch sein, wie der Filmklassiker »The Addams Family« und dessen jüngster Serien-Spin-off »Wednesday« anhand des flink umherhuschenden eiskalten Händchens demonstrieren. In der Praxis aber führen sie – je nachdem, von wem man sie abgeschnitten hat – zu kleineren und größeren Problemen, liegen nur herum und fangen an zu stinken. Eine Lösung für diese Probleme hat nun eine Arbeitsgruppe um Xiao Gao von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) entwickelt. In der Fachzeitschrift »Nature Communications« präsentiert sie eine Roboterhand, die sich von einem Roboterarm löst, umherläuft und kleine Gegenstände greift. Ein solches System könnte die Vorteile eines stationären Roboters mit der größeren Reichweite eines mobilen Systems vereinen.

© Gao et al., Nature Communications (2026)
Die Roboterhand in Aktion

Die Roboterhand besteht aus einer zentralen Platte mit fünf Fingern, die sich unabhängig voneinander bewegen lassen. Die Finger können sich zudem nach oben und nach unten biegen, anders als bei der menschlichen Hand. Entscheidend ist außerdem die Steuerung, dank der die Roboterhand laufen kann, egal welche Finger gerade einen Gegenstand greifen. Bevor sie die Hand konstruierten, führten die Fachleute ausführliche Simulationen durch, um die optimale Anzahl und Anordnung der Finger zu ermitteln. So brauche man eine Mindestzahl an Fingern, um zu greifen und zu laufen, andererseits kämen sich zu viele Finger ins Gehege, schreibt das Team in der Veröffentlichung.

In ersten Experimenten löst sich die Hand einwandfrei von ihrem Roboterarm und lässt sich auch wieder mit ihm koppeln. Überdies demonstrierten die Fachleute, wie der bisher noch über ein Kabel gesteuerte Roboter kleine Gegenstände greift, festhält und mit ihnen herumläuft. Und da die Finger zu beiden Seiten funktionieren, kann die Maschine auch nicht hilflos auf dem Rücken liegen bleiben, wenn sie mal umkippt. Sie läuft einfach andersherum weiter. Allerdings funktioniert das mit dem Laufen noch nicht so eindrucksvoll: Die Robo-Hand hat einen zittrigen, fast zufällig anmutenden Laufstil und ist damit dann doch dem eiskalten Händchen aus dem Film deutlich unterlegen.

  • Quellen
Gao, X. et al., Nature Communications 10.1038/s41467–025–67675–8, 2026

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