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Kreuzfahrtschiff-Ausbruch: Hantavirus: Vier Schiffspassagiere nach Deutschland gebracht

Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff sind vier deutsche Passagiere nach Deutschland transportiert worden. In Frankfurt sollen sie untersucht und anschließend weiter in ihre jeweiligen Bundesländer gebracht werden.
Eine Gruppe von Polizisten steht in einer nächtlichen Szene neben einem Polizeifahrzeug. Sie tragen reflektierende Westen mit der Aufschrift "Guardia Civil Tráfico" und diskutieren über Dokumente, die einer von ihnen in der Hand hält. Die Umgebung ist dunkel, und das Fahrzeug hat eingeschaltete Rücklichter. Die Szene vermittelt eine Atmosphäre von Zusammenarbeit und Einsatzbereitschaft.
Polizei hat im Hafen von Granadilla auf Teneriffa Stellung bezogen und erwartet das Anlegen des Kreuzfahrtschiffs »Hondius« (Aufnahme vom 10.05.2026). Auf dem Schiff hatte es einen Hantavirus-Ausbruch gegeben; nach WHO-Angaben gab es sechs bestätigte Infektions- und zwei Verdachtsfälle. Drei Personen starben. Von Teneriffa aus wurden die Passagiere der »Hondius« in ihre Heimatländer evakuiert.

Vier deutsche Passagiere des Kreuzfahrtschiffs »Hondius«, auf dem das Hantavirus ausgebrochen war, sind in die Niederlande ausgeflogen und am späten Sonntagabend weiter nach Deutschland gebracht worden. Ein Sprecher der Universitätsklinik Frankfurt bestätigte am Morgen die Ankunft des sogenannten Sonderisoliertransports. In Frankfurt sollen die Passagiere zunächst weiter untersucht und beobachtet und anschließend zur Quarantäne in die jeweiligen Bundesländer gebracht werden. Welche genauen Maßnahmen ergriffen werden, darüber entscheiden die zuständigen Gesundheitsämter.

Die Passagiere der »Hondius« sind am gestrigen Sonntag mit mehreren Flugzeugen evakuiert worden, nachdem das Kreuzfahrtschiff nach wochenlanger Fahrt auf Teneriffa angelegt hatte. Zuletzt waren noch 140 bis 150 Reisegäste, Besatzungsmitglieder und begleitende Experten aus 23 Ländern auf dem Schiff, unter ihnen einige deutsche Staatsangehörige. Von den 17 evakuierten US-Passagieren ist einer positiv auf das Hantavirus getestet worden, zeige jedoch keine Symptome, wie US-Gesundheitsbehörden mitteilten. Bei einer französischen Passagierin hingegen seien Symptome aufgetreten und ihr Zustand habe sich in der Nacht verschlechtert, sagte Frankreichs Gesundheitsministerin Stéphanie Rist im Sender France Inter. Sowohl US-Amerikaner als auch Franzosen sollen zunächst unter Quarantäne gestellt und medizinisch untersucht sowie betreut werden.

Die deutschen Passagiere waren nach Eindhoven in den Niederlanden ausgeflogen worden. An Bord befanden sich außerdem noch Niederländer, Belgier und Griechen. Alle waren ohne Symptome, wie das spanische Gesundheitsministerium vor dem Abflug mitteilte. Am Flughafen in Eindhoven warteten Spezialisten auf die Evakuierten, um sie medizinisch zu untersuchen. Die niederländischen Passagiere wurden anschließend nach Hause gebracht, wo sie sich sechs Wochen lang in häusliche Quarantäne begeben müssen.

Im Konvoi nach Frankfurt transportiert

Für die deutschen Passagiere ging es von Eindhoven aus in einem Fahrzeugkonvoi weiter nach Frankfurt. Der Transport sollte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) von Einsatzkräften der Feuerwehren Essen und Frankfurt organisiert und begleitet werden. Eine der betroffenen Personen soll in die Berliner Charité gebracht werden. Nach Angaben der zuständigen Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit zeigt die Person bisher keine Symptome und kommt »aus der Region Berlin-Brandenburg«. Eine symptomfreie deutsche Kontaktperson soll in Baden-Württemberg in häusliche Quarantäne gehen. Das teilte das Sozial- und Gesundheitsministerium in Stuttgart am Abend mit.

Der Chef des deutschen Robert‑Koch-Instituts sieht keine Gefahr für die Bevölkerung. Das Hantavirus könne Menschen sehr krank machen, sagte Lars Schaade am Sonntagabend im ZDF-»heute journal«. »Aber die gute Nachricht ist eigentlich, das ist kein Virus, das sich verbreitet. Und insofern kann ich, glaube ich, sagen: Ich sehe eigentlich keine Gefährdung für die Bevölkerung in Deutschland und auch keine Pandemie-Gefahr.«

Mit Blick auf den dieser Tage oft gezogenen Vergleich mit dem Coronavirus sagte Schaade: »Das ist ein ganz anderes Virus, und die Gefahr ist überhaupt nicht vergleichbar.« Man kenne das Hantavirus schon sehr lange und könne es deshalb sehr gut einschätzen. Seit Mitte der 1990er Jahre habe es einige Tausend Fälle gegeben. »Und immer ist es gelungen, die Ausbruchssituation entsprechend unter Kontrolle zu bringen.« Das Coronavirus hingegen sei seinerzeit ein neues Virus mit besonderen Eigenschaften gewesen.

EU-Gesundheitsbehörde: Virus nicht leicht weiter übertragbar

Diese Gefährdungseinschätzung teilt ebenso die EU-Gesundheitsbehörde ECDC: Selbst wenn es zu einer Übertragung des Andesvirus durch Passagiere komme, die vom Schiff evakuiert worden seien, sei das Virus nicht leicht weiter übertragbar, »sodass es unwahrscheinlich ist, dass es zu vielen Infektionsfällen oder einem großflächigen Ausbruch in der Bevölkerung käme«. Der Andes-Typ ist das einzige Hantavirus, das sich von Mensch zu Mensch übertragen kann. Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in der EU durch eine Ausbreitung des Andesvirus infolge des Ausbruchs auf dem Kreuzfahrtschiff sei »sehr gering«. Der Mikrobiologe Roman Wölfel von der Universität der Bundeswehr in München sieht das ähnlich: »Die Kombination aus Isolation, Kontaktverfolgung und medizinischer Überwachung dürfte das Geschehen vergleichsweise gut kontrollierbar machen.« 

Nach jüngsten Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es im Zusammenhang mit dem Kreuzfahrtschiff insgesamt sechs bestätigte Hantavirusfälle und zwei Verdachtsfälle. Drei dieser acht Personen starben: ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden und eine deutsche Frau. Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien angesteckt haben könnte.

Die »Hondius« soll nach Ausschiffung der Menschen mit einem Teil der Crew in Richtung Niederlande steuern, unter deren Flagge sie fährt. Erst nach der Ankunft im Hafen Rotterdam soll die an Bord gestorbene Deutsche vom Schiff gebracht werden. Auch die Desinfektion des Schiffs wird in den Niederlanden erfolgen. Bis nach Rotterdam wird die »Hondius« rund fünf Tage unterwegs sein. (dpa/fs)

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