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News: Harmloser Pollen aus tödlichen Pflanzen

Eine gentechnische Veränderung sollte Maispflanzen vor Fressfeinden schützen. Doch leider gehen nicht nur Schädlinge an den modifizierten Pflanzen zu Grunde, sondern auch Schmetterlinge, die lediglich in der Nähe des Felds mit Maispollen bestäubte Pflanzen nach Futter absuchten. Das gilt jedoch nicht für alle Maissorten, denen Wissenschaftler ein Gen des Gift-produzierenden Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis eingepflanzt haben. Andere genmanipulierte Varianten schaden den Schmetterlingen nämlich nicht.
Schon seit Jahren setzen Landwirte Toxine des bodenbewohnenden Bakteriums Bacillus thuringiensis (Bt) in der Schädlingsbekämpfung ein. Wegen ihres natürlichen Ursprungs gelten sie als biologische Insektizide, die für Säugetiere unschädlich sind, aber die Darmwände von Insekten perforieren, sodass Krankheitserreger und Parasiten eindringen können. Dank der Gentechnik ist es inzwischen möglich, die Pflanze selbst das Gift produzieren zu lassen. Knabbern Schadinsekten dann an den Blättern oder der Frucht, nehmen sie mit dem Pflanzengewebe auf die giftige Substanz und verenden schließlich.

Im Mai 1999 wiesen Forscher jedoch nach, dass nicht bloß Fraßfeinde dem Gift zum Opfer fallen können, sondern auch der Monarch-Falter, der eigentlich gar keinen Kontakt zum manipulierten Mais hat (Nature, vom 20. Mai 1999). Doch der Pollen des so genannten Bt-Mais wird mit dem Wind bis zu sechzig Meter weit verweht und sammelt sich auch auf den Blättern anderer Pflanzen, die der Raupe des Schmetterlings als Nahrungsquelle dienen. Der Monarch selbst ist zwar keine bedrohte Art, doch die Forscher betrachteten diesen Befund als Frühwarnung vor umfangreichen Schäden in den Ökosystemen.

Jetzt haben Insektenforscher von der University of Illinois allerdings gezeigt, dass dieser Zusammenhang nicht für jede manipulierte Maissorte gilt: Ihren Experimenten zufolge hat eine bestimmte Sorte Bt-Mais keinen schädlichen Einfluss auf die Entwicklung von Schwalbenschwänzen (Papilio discolor) (Proceedings of the National Academy of Sciences, vom 6. Juni 2000).

In einem Freiland-Versuch zogen die Wissenschaftler eine Maissorte der Firma Monsanto heran, die das Bt-Toxin produziert, das den Maiszünsler (Ostrinia nubilalis) tötet. Dem Pollen der Pflanzen spürten die Entomologen sorgfältig nach und sahen, wie die Schwalbenschwanz-Larven ihn mit ihrer üblichen Nahrung aufnahmen. "Wir fanden heraus, dass eine Menge Schmetterlinge starben", schildert May Berenbaum die Beobachtungen. "Doch soweit wir das sagen können, hing das Sterben weder mit dem Mais noch mit dessen Pollen zusammen". Die Forscher machen vielmehr Fraßfeinde und andere ökologische Faktoren für die hohe Larvensterblichkeit verantwortlich. Auch die überlebenden Schwalbenschwänze zeigten keinerlei Hinweise auf eine schädliche Wirkung der transgenen Pollen.

Um die Ergebnisse zu überprüfen, übertrugen die Wissenschaftler das Experiment ins Labor. Sie verabreichten weiteren Schmetterlingen Pollen von transgenen Pflanzen und und nicht gentechnisch manipulierten. Auch unter diesen Bedingungen konnten sie keine schädliche Wirkung feststellen. Anders verhielt es sich dagegen bei einer anderen Saatgutsorte, Max 454 von Novartis. Am Pollen von solchen Pflanzen gingen die Schwalbenschwänze zu Grunde. Vergleiche der Toxinkonzentrationen zeigten dann auch, dass im Novartis-Korn gut 40-mal mehr Gift produziert wird als in der manipulierte Maissorte von Monsanto.

In ihrer Arbeit haben sich die Wissenschaftler um Berenbaum ausschließlich auf eine spezielle Sorte von Bt-Mais konzentriert. Zwar zeigt die Studie, dass es offenbar Möglichkeiten gibt, das Risiko für Nicht-Schädlinge zu minimieren, doch "das ist noch kein grünes Licht für alle möglichen Formen genetisch manipulierter Organismen", sagt Berenbaum.

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