Radiowellen: Neue Hinweise auf die Ursache des Havanna-Syndroms

Vor zehn Jahren begannen US-Beamte, die in Kuba stationiert waren, über eine seltsame Reihe von Symptomen zu berichten: von Ohrensausen und Schwindel bis hin zu starken Kopfschmerzen und Brain Fog. Diese werden zusammenfassend als »Havanna-Syndrom« bezeichnet und deuten auf ein neurologisches Problem hin. Die genaue Ursache dafür ist nach wie vor Gegenstand intensiver Debatten unter Medizinerinnen und Militärexperten.
Nun hat das US-Verteidigungsministerium laut einem Bericht von CNN ein Gerät getestet, das gepulste Radiowellen erzeugt und möglicherweise mit dem Havanna-Syndrom in Verbindung steht. Dieses wurde wohl während einer Undercover-Operation in den letzten Tagen der Biden-Regierung erworben und enthält offenbar russische Bauteile. Die US-Ministerien für Verteidigung und für innere Sicherheit nahmen dazu bisher keine Stellung.
Ein Gerät, das starke gepulste Radiowellen erzeugt, gehört zu den vielen postulierten Ursachen des Havanna-Syndroms. Die Betroffenen könnten aber auch Neurotoxinen ausgesetzt gewesen sein – oder es könnte sich um psychogenes Massenleiden wie kollektive Angst handeln. Denn lange Zeit stand die Frage im Raum, wie man ein Radiowellengerät, das die beschriebenen Schäden verursachen kann, in kleinem Format herstellen könnte, um es transportierbar zu machen. Das aktuell untersuchte Gerät im Besitz der US-Regierung soll diese Voraussetzung erfüllen und angeblich in einen Rucksack passen.
In der Vergangenheit haben medizinische Experten über mögliche neurologische Folgen des Havanna-Syndroms diskutiert. Deshalb untersuchten Forschende der National Institutes of Health mehr als 80 betroffene Bundesbeamte und ihre Familienangehörigen, die angaben, ein Geräusch gehört und Druck im Kopf gespürt zu haben, bevor sie Kopfschmerzen und andere kognitive Symptome entwickelten. Die 2024 veröffentlichten Ergebnisse zeigten jedoch keine besonderen Auffälligkeiten in den MRT-Bildern ihrer Gehirne im Vergleich zu einer Kontrollgruppe. Auch andere Studien fanden keine eindeutigen Ergebnisse.
»Es ist durchaus möglich, dass die betroffenen Personen die Folgen eines Ereignisses erleben, das zu ihren Symptomen geführt hat. Aber offenbar hat das nicht zu langfristigen Veränderungen geführt, die typischerweise nach einem schweren Trauma oder einem Schlaganfall beobachtet werden«, erklärte damals Carlo Pierpaoli, Hauptautor der NIH-Studie, die Ergebnisse. »Wir hoffen, dass das die Bedenken hinsichtlich eines Zusammenhangs zwischen dem Havanna-Syndrom und schweren neurodegenerativen Veränderungen im Gehirn zerstreut.«
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