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News: Heilung mit embryonalen Stammzellen?

Für die einen stellen sie wahre Wundermittel dar, für andere sind sie eher Teufelsszeug - embryonale Stammzellen bewegen die Gemüter. Ob sich diese Alleskönner wirklich als die versprochenen Heilmittel erweisen, müssen sie noch beweisen. Jetzt gelang es einer Arbeitsgruppe, die Parkinson-Krankheit mit embryonalen Stammzellen zu heilen - zumindest bei Ratten.
Als der englische Landarzt und Paläontologe James Parkinson 1817 eine Krankheitsform beschrieb, ahnte er nicht, dass er damit in die Medizingeschichte eingehen würde. Inzwischen gilt Morbus Parkinson oder Schüttellähmung als eine der häufigsten Nervenerkrankungen, von denen allein in Deutschland etwa 250 000 Menschen betroffen sind. Das langsam fortschreitende Leiden beginnt in der Regel gegen Ende des fünften Lebensjahrzehnts; die Patienten fangen an zu zittern, willkürliche Bewegungen fallen immer schwerer. Ohne Behandlung verschlimmern sich die Symptome bis zur vollständigen Lähmung.

In den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entdeckten die Wissenschaftler die Ursache der Krankheit: In der Substantia nigra – einer bestimmten Region der Basalganglien des Gehirns – sind Nervenzellen degeneriert, die den Neurotransmitter Dopamin abgeben. Da die Basalganglien unter anderem für die Kontrolle der Bewegungen zuständig sind, führt dieser Dopaminmangel zu den Lähmungserscheinungen. Mit L-DOPA, eine Vorstufe des Dopamins, lassen sich die Symptome bekämpfen – eine Heilung der Parkinson-Krankheit ist bisher aber nicht möglich.

Wenn es jedoch gelänge, die zerstörten Nervenzellen zu ersetzen, dann ließen sich die Lähmungen womöglich rückgängig machen. Daher stützen sich die Hoffnungen der Mediziner auf embryonale Stammzellen, denn diese noch undifferenzierten Zellen sind in der Lage, sich in die unterschiedlichsten Gewebetypen zu verwandeln. Jetzt probierten Lars Björklund und seine Kollegen von der Harvard Medical School sowie des Stockholmer Karolinska Institutet den Einsatz embyronaler Stammzellen an Ratten, die an der Parkinson-Krankheit litten.

Mit Erfolg: Nachdem die Wissenschaftler die Stammzellen in das Corpus Striatum der Basalganglien der Rattenhirne injizierten, entwickelten sich hieraus normale Nervenzellen. Mit Hilfe von Positronenemissionstomographie und funktioneller Magnetresonanzspektroskopie konnten die Forscher nachweisen, dass die neu gebildeten Neuronen Dopamin produzierten. Gleichzeitig gingen die Lähmungserscheinungen der Tiere zurück.

Jetzt hoffen die Wissenschaftler, dass sich auch menschliche embryonale Stammzellen – deren Gewinnung aus "überzähligen" Embryonen stark umstritten ist – bewähren. Falls weitere Experimente erfolgreich verlaufen, könnten nach Ansicht des Arbeitsgruppenleiters Ole Isacson in etwa fünf Jahren erste Tests an Menschen erfolgen.

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