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Klimaforschung: Heinrich-Event kühlte Erde tatsächlich ab

Ein außerordentlicher Süßwassereinstrom aus Nordamerika verursachte vor 8000 Jahren tatsächlich eine Abschwächung des Golfstroms im Nordatlantik, was eine starke Abkühlung Grönlands und der umliegenden Gewässer zur Folge hatte. Auch in Teilen Europas und Nordamerikas sanken die Temperaturen, die restliche Nord- sowie die Südhalbkugel waren allerdings nicht von diesen Klimaveränderungen betroffen.

Klimawandel durch Heinrich-Event | Der starke Zustrom von Süßwasser in den Nordatlantik – das so genannte Heinrich-Event – führte zu einer vorübergehenden Abschwächung des Golfstroms und damit zu einer Abkühlung des Nordatlantiks sowie angrenzender Regionen. Entferntere Gebiete blieben weit gehend unbeeinflusst.
Bislang beruhte das Wissen über dieses so genannte Heinrich-Event und seine Folgen auf geologischen und paläontologischen Studien. Klimatologen um Allegra LeGrande vom Goddard Institute for Space Studies der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa konnten nun aber dieses Ereignis auch erstmals am Computer simulieren und mit bereits bekannten Forschungsergebnissen vergleichen. Sie berechneten dazu zwölf Klimamodelle und legten diesen einen zusätzlichen Süßwasserzufluss zugrunde, dessen Volumen pro Zeiteinheit etwa dem 25- bis 50-fachen Wert des gegenwärtigen Amazonas-Stroms an seiner Mündung entspricht.

Wegen der Aussüßung des Meerwassers verringerte sich in der Folge die so genannte thermohaline Zirkulation – der Zustrom warmen Wassers aus den Tropen in arktische Gewässer – um etwa die Hälfte, der Golfstrom erholte sich dann aber zumindest nach der Simulation wieder innerhalb von etwa 50 bis 150 Jahren nach dem Heinrich-Event. Durch das Nachlassen der ozeanischen Zirkulation mit ihrem Warmwassertransport in den Nordatlantik kam es auf der Nordhalbkugel in bestimmten Regionen zu Temperaturrückgängen um mehrere Grad Celsius. Die Ergebnisse der Simulation entsprachen damit in etwa den realen Temperatur- wie Niederschlagswerten, die zuvor von anderen Wissenschaftlern aus Eisbohrkernen, Sedimenten oder Pollenverteilungen ermittelt worden waren.

Die Wiedererwärmung der Erde wurde dadurch nach der letzten Eiszeit abrupt, aber nicht dauerhaft unterbrochen. Die steigenden Temperaturen waren gleichzeitig auch die Ursache für das Auftreten des Heinrich-Events, denn sie ließen den großen Inlandeisschild Nordamerikas abtauen. Dabei entstanden aus dem Schmelzwasser die beiden großen Seen Agassiz und Ojibway. Nach dem Durchbruch der letzten verbliebenen Gletscherbarrieren ergoss sich ihr Süßwasser plötzlich und in großer Menge über die Hudson-Bay in den Atlantik.

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