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Heißzeit: Das Zeitalter der Megastürme

Was passiert, wenn die Temperaturen bestimmte Schwellenwerte überschreiten? Es könnte dann zu unvorstellbaren Regengüssen kommen.
Gewitter

Das Jahr 2021 wurde auch durch regelmäßige Sintfluten geprägt: Stundenlanger Dauerregen sorgte für schwere Überflutungen unter anderem in der Eifel, in Süditalien, China oder im Oman. Verglichen mit manchen Stürmen der Vergangenheit könnten diese Niederschläge aber wohl nur als Landregen gelten. Jacob Seeley und Robin Wordsworth von der Harvard University haben das Klima vergangener Erdzeitalter simuliert und konzentrierten sich dabei vor allem auf »Heißzeiten«, in denen die durchschnittliche Temperatur der Erde deutlich höher lag als heute, wie sie in »Nature« schreiben.

Vor rund 2,5 Milliarden und 700 Millionen Jahren etwa gab es auf der Erde einen sehr starken Treibhauseffekt, weil die Kohlendioxidkonzentrationen in der Atmosphäre deutlich höher waren als heute. Die Ozeane heizten sich dadurch auf mehr als 50 Grad Celsius auf, was dramatische Folgen für das Wetter hatte. Durch die Erwärmung von Luft und Wasser entwickelte sich eine Art Trennschicht in der Atmosphäre: Darunter reicherte sich extrem feuchte Luft an, die über mehrere Tage nicht weiter aufsteigen und damit Wolken bilden kann. Oberhalb der Trennschicht wiederum bilden sich zwar einzelne Wolken in dieser Zeit, aber ihre Tropfen verdunsten, sobald sie zu fallen beginnen.

Nach geraumer Zeit jedoch löst sich die Barriere durch Abkühlung von oben auf, die feuchtheiße Luft darunter schießt nach oben und bildet gewaltige Gewitter. Deren Energie entlädt sich innerhalb weniger Stunden in Stürmen, die mehr Regen bringen können als Hurrikane, die mehrere Tage andauern. Diese Zyklen könnten sich den Simulationen über eine geologisch lange Zeit hinweg kontinuierlich eingestellt haben. »Das stellt einen neuen und völlig unerwarteten Zustand der Atmosphäre dar«, sagt Wordsworth.

Sollten derartige Megastürme wirklich über mehrere Millionen Jahre hinweg aufgetreten sein, könnten sie die Erklärung für starke Erosionsphasen in der Erdgeschichte sein. Und auch zukünftig könnten der Erde solche Perioden wieder drohen, allerdings nicht durch den momentanen Klimawandel. In der nächsten Milliarde Jahre wird sich die Sonnenstrahlung um etwa zehn Prozent erhöhen und dadurch unseren Planeten entsprechend stark einheizen, so dass neue Sintfluten zu erwarten sind.

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