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Umweltgifte: Herbizid verwandelt Froschmänner in Weibchen

Kopulierende Krallenfrösche
Atrazin gehört zu den am weitesten verbreiteten Herbiziden. Doch es hilft nicht nur gegen Unkraut, sondern steht auch im Verdacht, für den weltweiten Rückgang der Amphibienpopulation mitverantwortlich zu sein. Forscher um Tyrone Hayes von der University of California in Berkeley konnten diesen Verdacht nun erhärten, indem sie zeigten, dass die Chemikalie männliche Frösche verweiblichen lässt.

Kopulierende Krallenfrösche | Krallenfrösche beim Homo-Sex. Das größere Tier ist allerdings nur noch genetisch ein Männchen, seine Geschlechtsorgane sind vollständig weiblich und funktionsfähig.
Die Wissenschaftler setzten Männchen des afrikanischen Krallenfroschs (Xenopus laevis) vom Schlupf bis zur Geschlechtsreife Atrazinmengen aus, die unter dem Trinkwasser-Grenzwert der US-Umweltschutzbehörde liegen und auch in der Natur vorkommen. Zwar zeigten alle erwachsenen Tiere zunächst geschlechtsspezifische Merkmale, zehn Prozent entwickelten jedoch weibliche Geschlechtsorgane und konnten sich mit anderen Männchen fortpflanzen. Auch bei den Fröschen, die nicht vollständig ihr Geschlecht wechselten, unterdrückte Atrazin die Testosteron- und Spermienproduktion sowie die Fruchtbarkeit und verhinderte, dass die Tiere ihr übliches Paarungsverhalten zeigten.

Da die weiblichen Männchen nur männlichen Nachwuchs produzieren können, halten es die Wissenschaftler um Hayes für möglich, dass aufgrund des stark verschobenen Geschlechterverhältnisses ganze Populationen aussterben. Das gelte umso mehr, als bereits geringe Mengen der Chemikalie diese Wirkung zeigen. In den USA könne die Konzentration selbst im Regenwasser teilweise höher sein. In der Europäischen Union ist der Einsatz von Atrazin verboten.

Julia von Sengbusch

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