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News: Herrenwahl

Männer sitzen bei der Partnerwahl am kürzeren Hebel, zumindest im Tierreich. Diese Überzeugung einte bisher die Biologenwelt in seltenem Konsens. Der Kampf um die Gunst der Frauen lässt dem starken Geschlecht quer durch den Stammbaum immer buntere Federn oder stärkere Flossen wachsen und sie höchst komplizierte Balzrituale ausführen - alles zum Zwecke der erfolgreichen Gen-Weitergabe. Das endgültige "Ja" ist jedoch Frauensache, gefällt der Bewerber nicht, fruchten auch noch so aggressive Annäherungsversuche nicht mehr. Doch Doppelschnepferiche und Schwimmgrundelmännchen sind dagegen ihren Geschlechtsgenossen weit voraus.
Doppelschnepfe
"Schönes Fräulein, darf ich's wagen?", höflich und von seiner besten Seite zeigt sich der Mann beim Anblick einer schönen Frau. Die ersten Sekunden entscheiden meist über den weiteren Verlauf einer Bekanntschaft – sagen Studien. Frauen werden von männlichen Attributen wie Geruch, Gesichtsform oder Körperbau angesprochen und legen den frisch Kennengelernten sofort unbewusst ab: Als potenziellen Geschlechtspartner und vielleicht sogar Vater ihrer Kinder oder – na, für ein Hallo eben.

Tierische Frauen machen es genauso. Da baut sich ein imposantes, bunt gefiedertes Männchen vor ihnen auf, schmettert schöne Lieder und tanzt höchst komplizierte Rituale: Dieses Übermaß männlicher Schönheit führt nicht zwangsläufig zu Paarungsbereitschaft, sondern eben nur manchmal – wenn der Bewerber gefällt. Enttäuschten Liebhabern bleibt nur Geschmolle oder ein zweiter Versuch woanders – dachte man bisher.

Geschmollt wird bei Männchen der Doppelschnepfe (Gallinago media) nicht, hat jetzt Stein Are Saether [1] von der Norwegian University of Science and Technology in Trondheim festgestellt. Ganz im Gegenteil: Sie schließen sich zu Leks zusammen – Gruppen von Männchen, die kleine Territorien für ihre Balz verteidigen und so Weibchen anlocken. Hat sich ein Mitglied erfolgreich verpaart, wird die Dame anschließend verjagt, denn neue Jagdgründe locken ungeheuer, und die ehemalige Flamme stört da nur. Bis zu zehn Weibchen begattet ein solcher Schürzenjäger täglich – im Interesse einer möglichst breit gestreuten Gen-Weitergabe natürlich.

Da Schnepfenmänner sich nicht um ihren Nachwuchs kümmern, erklärte man ihr rüdes Paarungsverhalten bisher damit, dass sie einfach nichts dabei zu verlieren haben. Aber "Samen-Sparen", das ökonomische und möglichst weit gefächerte Verteilen des begrenzten Erbgutes, scheint wirklich der einzige Ausweg für begehrte Schnepferiche zu sein, vermutet auch Rauno Alatolo von der University of Jyväskylän in Finnland nach den Beobachtungen seines Kollegen. Da werden andere Arten grün vor Neid.

Mit der Ausnahme von Schwimmgrundeln (Gobiusculus flavescens): Das männliche Geschlecht dieser Fischart schreitet ebenfalls aktiv zur Partnerwahl und schätzt es möglichst bunt. Laut Trond Amundsen [2], ebenfalls von der Norwegian University of Science and Technology, und Elisabet Forsgren [2] von der Göteborg University in Kristineberg werden farbige Weibchen von ihnen im Laborversuch eindeutig bevorzugt.

Eine gelb-orange Fischschönheit zog die Männchen doppelt so oft an wie ihre farblose Nachbarin, beobachteten die Forscher. Auch Paarungsbereitschaft signalisierte das starke Geschlecht hier viermal so häufig. "Der farbige Bauch von Schwimmgrundelweibchen ist offensichtlich das Ergebnis männlicher Auswahl", erklären Amundsen und Forsgren.

Herrenwahl eben – nach ihren Aussagen im Tierreich häufiger als bisher angenommen. Man müsse nur der weiblichen Schönheit in Zukunft mehr Aufmerksamkeit widmen. Nichts Neues für die hiesige Kosmetikindustrie, kleine Helferlein für Weibchen des Homo sapiens produziert sie bereits seit Jahrhunderten erfolgreich wie Sand am Meer.

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