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News: Herschel und Planck starten im Mai

Die europäische Raumfahrtagentur ESA hat nun den Starttermin für die beiden Forschungssatelliten Herschel und Planck bekanntgegeben: Am 6. Mai soll eine Ariane-5-Rakete die beiden Weltraumobservatorien ins All bringen.
Weltraumteleskop Herschel
Die Startvorbereitungen am Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana, die zwischenzeitlich angehalten worden waren, werden nun wieder aufgenommen. Die Unterbrechung war nötig geworden, weil einige sicherheitsrelevante Prozeduren nochmals überprüft werden mussten. Diese Überprüfung durch ein unabhängiges Expertengremium ist nun abgeschlossen, und die ESA und das Unternehmen Arianespace haben sich auf den 6. Mai als Startdatum verständigt.

Die beiden Missionen Herschel und Planck sind ganz unterschiedlichen astronomischen Fragestellungen gewidmet. Während Herschel das Universum im Infraroten und fernen Infraroten erkundet, wird Planck die kosmische Mikrowellen-Hintergrundstrahlung mit bisher nicht erreichter Präzision erkunden. Eines haben die beiden Observatorien aber gemeinsam: Sie werden nicht in einer Umlaufbahn um die Erde, sondern in der Nähe des so genannten Lagrangepunktes L2 operieren. Dieser liegt weit jenseits der Mondbahn in etwa 1,5 Millionen Kilometer Entfernung von der Erde in antisolarer Richtung. Dort können beide von der störenden Strahlung der Erde und der Sonne relativ gut abgeschirmt werden.

Esa-Satellit Herschel | Herschel wird auf einer Ariane-Rakete mit dem Satelliten Plank ins All befördert werden. Die Reise wird zum 2. Lagrange-Punkt führen, einem Ort im Weltraum, wo sich alle auf den Satelliten einwirkenden Kräfte gegenseitig kompensieren, 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Der 3,5-Meter-große Spiegel wird kühlste und weitest entfernte Objekte im Universum beobachten, um die Entstehung von Sternen und Galaxien zu verstehen.
Mit einem Durchmesser von 3,5 Metern verfügt das Weltraumteleskop Herschel über den größten Hauptspiegel, der jemals in der wissenschaftlichen Raumfahrt eingesetzt wurde. Er ist aus Siliziumkarbid gefertigt, einem keramischen Material, das eine hohe mechanische Festigkeit hat und sich bei Temperaturänderungen kaum verformt. Das Teleskop wird sich an seinem Zielort auf etwa -200 Grad Celsius abkühlen – rein passiv durch Abstrahlung von Wärme. Lediglich die Detektoren werden mit flüssigem Helium auf -270 Grad Celsius abgekühlt, das sind nur drei Grad über dem absoluten Nullpunkt der Temperaturskala.

Das Teleskop und seine Detektoren müssen so kalt sein, damit sie selbst möglichst wenig Störstrahlung aussenden. Denn Herschel soll das kalte Universum erforschen: Quellen, die Infrarotstrahlung im Bereich zwischen 60 und 670 Mikrometern Wellenlänge emittieren. Dazu gehören entstehende Sterne und ihre Wechselwirkung mit dem interstellaren Medium, die Oberflächen und Atmosphären von Kometen, Planeten und ihren Monden, chemische Prozesse zwischen Molekülen im Weltraum und sogar die Entstehung von Galaxien. Insgesamt viereinhalb Jahre lang soll Herschel völlig wartungsfrei von seinem fernen Standort aus beobachten.

Der Planck-Satellit | Die Planck-Mission wird gemeinsam mit dem Weltraumteleskop Herschel mit einer Ariane-5-Rakete gestartet. Planck soll die kosmische Mikrowellen-Hintergrundstrahlung mit bisher unerreichter Präzision kartieren.
Nur anderthalb Jahre lang wird das 1,5-Meter-Teleskop der Planck-Mission in Betrieb sein. Planck kartiert die Strahlung des gesamten Himmels im Mikrowellenbereich in insgesamt neun Frequenzbändern. Das primäre Ziel der Mission: Aus der Flut der gesammelten Daten sollen ein Dutzend kosmologischer Parameter abgeleitet werden, die unser Weltmodell mit hoher Genauigkeit charakterisieren.

Zusätzlich werden sich aus Plancks Datenflut neuartige Informationen über die kalte interstellare Materie in unserer Milchstraße sowie in nahen und fernen Galaxien ergeben. Damit erhoffen sich die Astronomen neue Einsichten in die Anfänge und die Entwicklung des gesamten Kosmos, aber auch in die Struktur und den Lebenslauf der Galaxien.

Uwe Reichert

Update vom 20.04.2009: Die ESA gab heute bekannt, dass der Start von Herschel und Planck noch einmal verschoben wird. Ursache ist eine Unregelmäßigkeit, die bei der Erprobung eines Bauteils auftrat, das auch in der Ariane-5-Trägerrakete verwendet wird. Weitere Tests, die vermutlich einige Tage dauern, sollen die Ursache dieser Anomalie klären. Die beiden Satelliten sind laut ESA in hervorragendem Zustand und startbereit.

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