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News: Herzhaft zubeißen

Es sieht schon beeindruckend und furchterregend aus: das Gebiss eines Allosaurus. Doch so kräftig konnte dieser Raubsaurier gar nicht zubeißen, wie jetzt britische Wissenschaftler herausfanden. Statt seine Beute zu zerfetzen, schlug Allosaurus wahrscheinlich schnell zu und wartete dann, bis sein Opfer verblutete.
Knochen krachen. Das Mahl scheint zu munden. Genüsslich schmatzend, verschlingt Tyrannosaurus rex seine Beute. Wie jeder Kinobesucher aus "Jurassic Park" weiß, konnte das Monster herzhaft zubeißen und die Knochen seines Opfers mühelos zermalmen. Doch die Killer-Methode von T. rex muss nicht für alle Raubsaurier gelten.

Sein Verwandter Allosaurus fragilis war nur wenig kleiner, aber mit zwölf Meter Länge, anderthalb Tonnen Gewicht und über 80 scharfen Zähnen immer noch ein beeindruckendes Kerlchen. Emily Rayfield von der University of Cambridge wollte genauer wissen, wie sich der Raubsaurier aus dem Jura ernährte. Zusammen mit ihren Kollegen verwendete sie eine Methode, mit der normalerweise Ingenieure die Spannungen von Brücken berechnen: die Methode der "finiten Elemente". Mit Hilfe von Computertomographie modellierte sie das dreidimensionale Bild eines Allosaurus-Schädels und zerlegte es in kleinste Zellen – den finiten Elementen. Der Computer berechnete dann aus diesem Datennetz die Spannungsverhältnisse an jedem einzelnen Punkt und konnte so auf die maximal ansetzenden Kräfte an Schädel und Gebiss zurückschließen.

Überraschenderweise zeigte sich, dass Allosaurus gar nicht so kräftig zulangen konnte. "Wir fanden heraus, dass der stärkste Biss an einem einzelnen Zahn einem Gewicht von etwa zwei Kilogramm entsprach", erzählt Rayfield. "Das macht seinen Biss etwa viermal schwächer als den von Tyrannosaurus rex oder den eines Alligators." Auch heute lebende, im Vergleich zu der Echse geradezu winzige Säugetiere, wie Wölfe und Leoparden, schaffen ähnliche Kräfte mit ihren Zähnen.

Andererseits hatte der Dinosaurier einen besonders kräftigen Schädel. Rayfield erklärt diesen scheinbaren Widerspruch mit einer anderen Jagdstrategie des Räubers: "Während seine Beißkraft schwach und seine Zähne schlank und schmal waren, konnte sein Schädel große Stöße widerstehen. Es ist möglich, dass er seine Kiefer nicht wie T. rex zum Knochenbrechen benutzte, sondern stattdessen mit seiner starken Nackenmuskulatur und seinem kräftigen Schädel seine Zähne in seine Beute hineinjagte und so ganze Fleischstücke herausriss." Durch die Technik des schnellen Zubeißens konnte Allosaurus nicht nur kleinere, agilere Beutetiere, sondern auch größere Saurier aus dem Hinterhalt angreifen und erlegen. Diese wirkungsvolle Methode ist Biologen von einer heute lebenden Echse bekannt: Auch der Komodo-Waran Varanus komodoensis schlägt mit seinem Gebiss blitzschnell wie mit einer Axt zu, zerreißt seine Beute in Stücke und braucht dann nur zu warten, bis sein Opfer langsam verblutet.

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  • Quellen
University of Cambridge
Nature 409: 987–988 (2001)
Nature 409: 1033–1037 (2001)

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