Hessen: Wagenbestattung eines Keltenfürsten entdeckt

Archäologen haben beim hessischen Bad Camberg das reich ausgestattete Grab eines Keltenfürsten entdeckt. Bei dem Bestatteten, bei dem es sich sehr wahrscheinlich um eine hochgestellte Person der Eisenzeit handelte, fanden sich massive, aber schlicht gearbeitete Goldringe, die er wahrscheinlich einst um Hals, Arm und einen Finger trug. Zudem wurde ihm unter anderem eine vermutlich etruskische Schnabelkanne ins Grab gelegt.
Wie das Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden mitteilte, stammt das Grab aus der Frühlatènezeit (450–380 v. Chr.). Es kam bei Bauarbeiten am Rand des hessischen Taunus zum Vorschein. Von Seltenheitswert ist der Umstand, dass der Bestattete mit einem zweirädrigen Wagen beerdigt wurde. Solche Gräber könne man in Hessen an einer Hand abzählen, erklärten die Fachleute bei einer Pressekonferenz. Angesichts der reichen Ausstattung sei die Entdeckung ein »Knaller« – europaweit seien lediglich etwa 20 weitere Gräber aus dieser Zeit von ähnlicher Qualität bekannt.
Schnabelkannen, die auf weitreichende Handelsbeziehungen bis in den Mittelmeerraum schließen lassen, fanden sich bereits bei Grabungen im rund 50 Kilometer entfernten Glauberg nordöstlich von Frankfurt. Dort wurden ebenfalls mit Goldschmuck ausgestattete Herrscherpersönlichkeiten bestattet, die in dieselbe Epoche der Frühlatènezeit gehören. Das zeigt, dass die Menschen des eisenzeitlichen Hessens in einer ähnlichen, stark hierarchisch strukturierten Gesellschaft lebten, an deren Spitze wohlhabende Eliten standen.
Neben solchen Parallelen macht das Team um den hessischen Landesarchäologen Udo Recker aber auch auffällige Unterschiede fest: Während der Keltenfürst vom Glauberg mit einer befestigten Höhensiedlung – eben dem Glauberg – in Verbindung zu bringen ist und deutlich hochwertigere Grabbeigaben erhielt, ist die Ausstattung des Fürsten vom Taunus deutlich schlichter. Auch ist bislang kein entsprechender Fürstensitz bezeugt. Das Fehlen eines zugehörigen Fürstensitzes ist nicht unüblich für die keltische Hunsrück-Eifel-Kultur, der das neu entdeckte Grab den Wiesbadener Fachleuten zufolge zuzurechnen ist.
Nicht einmal Zähne blieben erhalten
Das neue Fürstengrab wurde bei Bauarbeiten zu einem Solarpark entdeckt und innerhalb von rund zwei Wochen von einer privaten Grabungsfirma ausgegraben. Einige Abschnitte der Bestattung wurden im Block geborgen, um sie in den Restaurierungswerkstätten sorgfältiger freizulegen, als es im Feld möglich ist. Zum Bedauern der Archäologen haben sich von dem Toten nicht einmal die Zähne erhalten. Dadurch fehlen alle anthropologischen Anhaltspunkte zu Alter und Geschlecht.
Die beiden Räder des Wagens wurden abmontiert und ins Grab gestellt. Von dem Gefährt haben sich Radnaben- und Achskappenbeschläge aus Buntmetall sowie eiserne Radreifenbeschläge erhalten. Außerdem fanden sich bislang zwei Lanzenspitzen und ein Messer sowie eine sogenannte Linsenflasche aus Keramik. Angesichts dieses Grabinventars gehen die Forscher davon aus, dass in dem Grab ein Mann bestattet wurde.
Der Begriff Kelten selbst geht auf den Namen »Keltoi« zurück, den antike griechische Autoren den Bewohnern Mitteleuropas gaben. Ob sich auch die damit bezeichneten Gruppen als einheitliches »Volk« verstanden und wie sie sich selbst nannten, ist unklar. Die Bezeichnung »Fürst« und »Fürstin« für die Toten in den reich ausgestatteten Gräbern ist ebenfalls ein Hilfskonstrukt. Es sind nur wenige Details über die Organisation ihrer Gesellschaft bekannt, insbesondere was die Jahrhunderte vor dem engeren Kontakt mit dem Römischen Reich angeht.
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