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Klima: Himmelsflüsse werden wärmer

Atmosphärische Flüsse bringen reichlich Niederschlag in den Westen der USA. Ihr Charakter ändert sich: Statt Schnee fällt häufiger nur noch Regen - und das hat Folgen.
Atmosphärischer Fluss von Hawaii nach Kalifornien sorgt für heftigen RegenLaden...

Sie lieben und sie hassen ihn: Der Ananasexpress liefert dem Westen der USA ergiebige Niederschläge – bleibt er aus, verschärfen sich Dürren, will er nicht enden, drohen epische Fluten. Es handelt sich dabei um einen so genannten atmosphärischen Fluss, der normalerweise 20 bis 50 Prozent des regionalen Jahresniederschlags verursacht. Luftströmungen dieser Art transportieren dann über mehrere Tage hinweg sehr feuchte Luftmassen vom Pazifik ins Landesinnere, wo sie ergiebig abregnen. Da sie meist in der Nähe der Hawaiiinseln entstehen, bezeichnen die Kalifornier sie auch als Ananasexpress. Ihr Charakter hat sich allerdings in den letzten Jahrzehnten verändert, wie Daten von Katerina Gonzales von der Stanford University und ihrem Team im »Journal of Geophysical Research: Atmospheres« nahelegen. Die atmosphärischen Flüsse wurden demnach seit 1980 signifikant wärmer.

Ihre Luftmassen erreichen das Festland mittlerweile zwischen 0,7 und 2 Grad Celsius wärmer als vor mehr als 30 Jahren. Die stärkste Erwärmung habe dabei für Ananasexpresse stattgefunden, die zwischen November und März auftreten, so die Forscher. Damit bringen sie nicht nur mehr Niederschläge – wärmere Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen –, es verändert sich auch deren Charakter. Statt Schnee bringen diese erwärmten Strömungen häufiger Regen, was für die Wasserversorgung problematisch ist: Große Teile Kaliforniens etwa liegen im Sommer unter stabilem Hochdruckeinfluss und erhalten keine Niederschläge. Sie müssen daher aus Stauseen oder Zuflüssen aus den Bergen versorgt werden. Eine durch atmosphärische Flüsse aufgebaute, hohe Schneedecke taut über die warmen Monate hinweg ab und liefert konstant Wassernachschub. Regnet es hingegen öfter auch im Winter, so fällt dieser Effekt kleiner aus oder versiegt ganz – im Sommer kommt es dann zu Wasserengpässen.

Kritisch ist auch, wenn Regen auf Schneelagen fällt und diese schmilzt. Dann drohen höhere Fluten und häufigere Erdrutsche im Winter. Verursacht wird die Erwärmung der atmosphärischen Flüsse durch die fortgesetzte Aufheizung des Pazifiks zwischen Hawaii und Kalifornien sowie des Festlandes selbst. Gonzalez und Co empfehlen, diese Effekte auch für andere Teile der Erde zu untersuchen: »Atmosphärische Flüsse sind kein einzigartiges Phänomen der westlichen USA. Sie treten weltweit auf.« Sie bringen beispielsweise auch in Europa extreme Niederschläge nach Frankreich, Spanien oder Großbritannien, wie eine Studie 2017 gezeigt hatte.

27/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 27/2019

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