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News: Himmelszeichen an 'High Noon'

Manche Indianer Nordamerikas wußten besser über Astronomie Bescheid als bisher angenommen. In Texas wurden alte Felszeichnungen untersucht, die genau zur Sommer- und Wintersonnenwende von Bündeln heller Sonnenstrahlen markiert werden. Indianische Felskunstwerke, die zu bestimmten astronomischen Ereignissen wie Sonnenwenden oder Tag- und Nachtgleichen mit Lichtmustern bedeckt werden, sind im Südwesten der USA wahrscheinlich sogar die Regel und nicht die Ausnahme.
Vor zwei Jahren bemerkten texanische Grundbesitzer seltsame Lichtspiele über alten Zeichnungen an einer Felswand nahe San Antonio. Der Archäoastronom R. Robert Robbins von der University of Texas Austin, begann, diese Phänomene zu beobachten. Zur Wintersonnenwende 1997 bemerkte er, wie ein "Dolch aus Licht" langsam über die Felswände kroch und genau um Mittag ins Zentrum eines an die Felswand gemalten Schildes traf. Einer alten Legende zufolge symbolisiert der Schild ein Häuptlingstreffen, bei dem fünf Stämme ihre Jagdreviere aufteilten.

Neugierig geworden, suchte Robbins zur Sommersonnenwende nach ähnlichen Erscheinungen. In der Tat zeigten sich am Mittag des 21. Juni zwei "Lichtdolche" über und unter der Zeichnung einer Schildkröte. Die Schildkröte symbolisierte nach Ansicht der Ureinwohner den langsamen Lauf der Sonne zu Sommerbeginn. "Man hielt diese Indianer bisher nicht für geschickte astronomische Beobachter. Ihre Jahreszeitenmarken sind jedoch sehr genau", sagte Robbins, der seine Arbeit jetzt auf auf einer Tagung der American Astronomical Society vorstellte.

Das präzise geplante Zusammenspiel von Lichtbündeln und Felszeichnungen ist im amerikanischen Südwesten "überraschend häufig", so der emeritierte Archäoastronom John Fountain von der University of Arizona, Tucson. "Jede Stelle mit größeren Felsenzeichnungen, die ich untersucht habe, zeigte Hinweise auf Sonnenmarkierungen."

Fountain vermutet, daß diese Markierungen aber weniger mit Zeitmessung als mit der Verehrung der Sonne zu tun haben. Der ethnographischen Forschung zufolge war für das Kalendersystem dieser Indianer der Sonnenauf- und untergang wichtiger als der Sonnenstand am Mittag.

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