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News: Himmlische Radarfalle gegen Raser

Politiker und Verkehrsexperten betrachten Maßnahmen zur Geschwindigkeitsbegrenzung als aktive Vermeidung folgenschwerer Unfälle, viele Autofahrer sehen dagegen in Radarfallen und 'Starenkästen' vielmehr eine Gängelung. Ein satellitengestütztes System soll aus den Positionen der Autos ihre Geschwindigkeit ermitteln und sie, wenn nötig, automatisch auf die korrekte Geschwindigkeit zwingen, indem es per Funk den Treibstofffluß reduziert. Das System wäre in wenigen Jahren einsatzbereit und würde wenige hundert Mark kosten.
Ganze 13 Kilometer pro Stunde beträgt die Durchschnittsgeschwindigkeit auf den Straßen Londons – viel langsamer war man vor dem Zeitalter der Motorisierung wohl auch nicht unterwegs. Sind britische Hauptstädter schließlich dem kriechenden Fortkommen in engen Straßen entflohen und auf der Umgehungsautobahn M25 angelangt, juckt es sie im rechten Fuß: Mit Lust zum finanziellen und körperlichen Risiko überschreiten viele der genervten Londoner das Tempolimit. Schwere Unfälle, über 300 000 Verletzte sowie rund 3500 Tote im Jahr sind die Folgen.

Doch ein Ende scheint in Sicht: Forscher der University of Leeds wollen den Rasern schlicht den Sprithahn zudrehen. Das System funktioniert bereits in einem Versuchswagen, dessen Position in sehr kurzen Abständen über einen Satelliten an ein Rechenzentrum gemeldet wird. Computer bestimmen die aktuelle sowie die zulässige Geschwindigkeit – und entziehen dem flotten Fahrer die Kontrolle über den Treibstofffluß. "Im Vordergrund steht dabei die Zahl an Leben, die wir retten können", betont Oliver Carston, einer der Erfinder der elektronischen Leine für Raser. Der Experte kalkuliert, daß rund zwei Drittel der Todesopfer auf diese Weise vermieden werden könnten. Nach dreijähriger Entwicklungszeit stellten die Wissenschaftler das System dem britischen Verkehrsminister, selbst stolzer Besitzer zweier Jaguars und für zügigen Fahrstil bekannt, vor. Aus dem Umfeld des Ministers wird von großem Interesse an der himmlischen Zwangsbremse berichtet.

In spätestens zehn Jahre wäre die ferngesteuerte Spritdrossel einsatzbereit und mit wenigen hundert Mark Kosten für die Technologie durchaus bezahlbar. Für Edmond King vom Automobilclub RAC schier ein Alptraum: "Das ist auch eine Einschränkung bürgerlicher Freiheiten – wollen wir wirklich den Großen Bruder, der alle 32 Millionen Autofahrer überwacht?" Gegen die Selbstverwirklichung am Steuer sprechen sich dagegen schon heute viele Experten aus der Unfallforschung aus, denn für sie ist die Aussicht, die Zahl an Verkehrsunfällen effektiv zu senken, allemal wichtiger als die oft gerühmte "Freie Fahrt für freie Bürger".

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