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Soziale Phobie: Hinschauen oder wegsehen

Wer unter sozialen Ängsten leidet, beobachtet die Stimmung anderer Menschen aufmerksamer. Bei den am stärksten Betroffenen kehrt sich der Effekt jedoch um.
Menschen sitzen an einer Bar und unterhalten sich

Wer an einer sozialen Angststörung leidet, fürchtet sich vor der negativen Bewertung durch andere. Das zeigt sich unter anderem darin, dass die Betroffenen entsprechende Signale ihrer Mitmenschen sehr aufmerksam beobachten – das zumindest hatten frühere Untersuchungen ergeben. Allerdings gilt dieser Zusammenhang nur bis zu einem gewissen Grad, wie nun eine Studie von Psychiatern um Lisa McTeague von der Medical University of South Carolina in Charleston ergab.

Die Wissenschaftler untersuchten 88 Menschen, die sich wegen einer Sozialphobie in Therapie begeben hatten. Diesen präsentierten sie dutzende Aufnahmen von wütend, glücklich, ängstlich oder neutral dreinblickenden Gesichtern. Die Aufmerksamkeit für diese Reize maßen sie jeweils mit Hilfe eines EEG-Signals über der Sehrinde, das die visuelle Verarbeitung von Stimuli anzeigt.

Ergebnis: Je schwerer die soziale Ängstlichkeit der Teilnehmer ausgeprägt war, desto mehr schenkten sie den Fotos von wütend aussehenden Personen Beachtung. Bei den am meisten beeinträchtigten Probanden jedoch kehrte sich der Effekt um. Diese Personen verarbeiteten negative Gesichtsausdrücke deutlich weniger intensiv als beispielsweise neutrale Gesichter.

Patienten, die besonders stark unter ihrer Sozialphobie leiden, wenden demnach offenbar eher eine vermeidende Strategie an, schlussfolgern die Forscher: Sie beachten negative soziale Signale weniger, vielleicht um eine zu starke Aufregung zu vermeiden.

8/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 8/2018

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