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Chinesische Mondsonde: Hinterm Mond ist es kälter als gedacht

Die Rückseite des Mondes ist Nachts kälter als vermutet - zumindest da, wo die chinesische Sonde Chang'e-4 gelandet ist.
Der Mond, gesehen vom Lunar Reconnaissance Orbiter.Laden...

Die chinesische Sonde Chang'e-4 hat auf der Rückseite des Mondes unerwartet tiefe Nachttemperaturen von 190 Grad Celsius unter dem Gefrierpunkt gemessen. Die Temperatur in der oberen Bodenschicht sei am Landeplatz der Sonde niedriger gewesen als bei vergleichbaren Messungen von US-Sonden auf der erdzugewandten Seite unseres Trabanten, zitiert die Nachrichtenagentur Xinhua Zhang He von der China Academy of Space Technology, den Leiter des Projekts. Chang'e-4 war am 2. Januar 2019 als erstes Raumfahrzeug auf der Rückseite des Mondes weich gelandet; für die zweiwöchige Mondnacht, in der kein Licht für die Solarpanels zur Verfügung stand, ging die Sonde in einen Schlafmodus, in dem sie lediglich die Temperatur des Bodens und ihrer eigenen Komponenten maß.

Wegen der fehlenden Atmosphäre sind die Temperaturschwankungen auf dem Mond weit stärker als auf der Erde und hängen von den lokalen Gegebenheiten ab. Die tiefsten bisher gemessenen Werte ermittelte der Lunar Reconnaisance Orbiter (LRO) in den ewig im Schatten liegenden Kratern der Nord- und Südpolregionen, wo die Temperaturen bis unter minus 240 Grad Celsius fallen können. In den niedrigeren Breiten sind die Bedingungen vergleichsweise mild, hier maß die Sonde des Nachts Bodentemperaturen von bis zu minus 178 Grad Celsius. Im Mittel gelten für die Mondoberfläche Minimaltemperaturen um minus 160 bis minus 170 Grad Celsius. Fachleute hatten bei der Übernachtung von Chang'e-4 mit etwas niedrigeren Temperaturen um etwa minus 183 Grad gerechnet, der Landeplatz liegt im Aitken-Becken, einem gigantischen Krater in der Südpolregion des Mondes. Dass der Boden dort noch einmal zehn Grad kälter war, kam unerwartet, so Projektleiter Zhang He. Unter Umständen sei die Zusammensetzung der Gesteinstrümmer an dieser Stelle anders – möglicherweise gibt das Gestein Auskunft über die Entstehung des Mondes.

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