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Wahrnehmung: Hinweise auf Magnetsinn bei Karpfen

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Forscher aus Tschechien und Deutschland haben Hinweise darauf gefunden, dass Karpfen (Cyprinus carpio) einen Magnetsinn besitzen. Wie ein Team um den Zoologen Hynek Burda von der Universität Duisburg-Essen feststellte, bevorzugen Karpfen, die auf tschechischen Weihnachtsmärkten lebend verkauft werden, in ihren Behältern eine nord-südliche Orientierung. Da sie keine andere Ursache für diese Tendenz entdecken konnten, vermuten die Autoren, dass sich die Tiere nach dem Erdmagnetfeld ausrichten. Wozu Karpfen, die in Binnengewässern leben, diese Fähigkeit brauchen, ist noch völlig unklar.

Aus früheren Forschungen ist bekannt, dass eine ganze Reihe von Tierarten Magnetfelder wahrnehmen und sich daran orientieren. Unter den Fischen gilt das bisher vor allem für wandernde Arten wie Aal und Lachs, die so vermutlich im Meer Kurs halten. Die Forscher beobachteten allerdings, dass sich auch lebende Speisefische in Supermärkten bevorzugt ausrichteten. "Wir haben darüber gesprochen, dass wir uns die Fische auch unter dem Gesichtspunkt des magnetic alignment anschauen sollen", erklärt Burda, "und da kam uns die Idee, die tschechische Tradition, im Advent lebende Weihnachtskarpfen zu verkaufen, für ein groß angelegtes Experiment zu nutzen."

Das Team um Burda – der 2008 bereits mit einer Untersuchung über den Magnetsinn von Rindern Aufsehen erregte – fotografierte auf tschechischen Weihnachtsmärkten die dort in runden Bottichen lebend zum Verkauf angebotenen Karpfen, um deren bevorzugte Ausrichtung zu identifizieren. Insgesamt vermerkten sie die Ausrichtung von 14 537 Fischen.

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Karpfen-Orientierung | Die Methode der Forscher im Bild: Zuerst fotografierten sie die Bottiche mit Karpfen, anschließend ermittelten sie die Orientierung aller Tiere und trugen sie in Kreisdiagramme ein.

Bei der Auswertung stellte das Team fest, dass die Position des Wassereinlasses der Becken schwach mit der Orientierung der Tiere korreliert ist. Deswegen verwendeten sie nur die Daten jener Fische, die sie im strömungsfreien Zustand fotografieren konnten. Auch die Richtung des einfallenden Lichtes spielt nach Angaben der Forscher keine Rolle. Trotzdem erwies sich die Zahl der entlang der nördlichen und südlichen Quadranten orientierten Fische um fast die Hälfte höher als die der senkrecht dazu stehenden. Der Zusammenhang ist statistisch deutlich signifikant. Die Forscher spekulieren, dass der Magnetsinn dabei hilft, sich in Gruppen synchron zu bewegen, und wollen die Fähigkeit jetzt auch an anderen Süßwasserfischen untersuchen.

49. KW 2012

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 49. KW 2012

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