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Ernährung: Mit Mittelmeerkost bleibt das Gehirn länger jung

Das Hirnvolumen schrumpft langsamer, wenn man bestimmte Lebensmittel wie Beeren und Gemüse bevorzugt und andere meidet. Vor allem Süßigkeiten und Fast Food gehen dem Gehirn an die Substanz.
Eine Person schneidet Kirschtomaten auf einem Schneidebrett in einer Küche. Auf der Arbeitsfläche liegen verschiedene frische Zutaten wie Karotten, Brokkoli, Zitronen, Orangen und eine Schüssel mit Guacamole. Im Hintergrund sind Kartoffeln und frische Kräuter zu sehen.
Frisches Gemüse gehört auf jeden guten Ernährungsplan – auch bei der MIND-Diät, die dem Hirnabbau vorbeugen soll.

Wer sich nach den sogenannten MIND-Prinzipien ernährt, verliert im Alter langsamer an Hirnvolumen. Dieses Ergebnis passt zu zahlreichen früheren Befunden, die bereits die Vorteile einer gesunden Ernährung belegt haben. Das MIND-Prinzip steht für eine typische Mittelmeerkost, die Bluthochdruck und damit der Hirnalterung vorbeugen soll. Die Forschungsgruppe um Hui Chen von der chinesischen Zhejiang-Universität berichtet im »Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry« allerdings auch von einer Überraschung: Für einzelne Lebensmittel fielen die Ergebnisse anders aus als erwartet.

Das Team griff auf die Framing Heart Study zurück, eine britische Langzeitstudie zu den Risikofaktoren für Herzerkrankungen. Ausgewertet wurden Daten von rund 1650 Männern und Frauen mittleren und höheren Alters, die bis dahin weder dement waren noch einen Schlaganfall erlitten hatten. Zwischen 1991 und 2001 hatten sie 140 Fragen zu ihrer Ernährung beantwortet und zwischen 1999 und 2019 mindestens zweimal im Hirnscanner gelegen. Aus ihren Angaben zur Ernährung berechneten die Forschenden einen MIND-Score zwischen 0 und 15 Punkten – mit Pluspunkten für mehr Gemüse, Nüsse, Beeren, Bohnen, Vollkornprodukte, Fisch, Geflügel und Olivenöl. Negativ bewertet wurden dagegen rotes Fleisch, Butter, Käse, süßes Gebäck und frittiertes Fast Food.

Die Hirnscans zeigten: Bei Menschen mit hohem MIND-Score schrumpfte die Hirnsubstanz im Mittel langsamer. Drei Punkte mehr auf der Ernährungsskala bedeuteten im Mittel rund 20 Prozent weniger Verlust an grauen Zellen – und damit verlangsamte sich die Hirnalterung im Verlauf von zwölf Jahren um 2,5 Jahre. Das spiegelte sich auch in den Hirnventrikeln wider, den mit Flüssigkeit gefüllten Hohlräumen im Gehirn, die sich mit dem Alter vergrößern: Dieses Anzeichen für Hirnabbau schritt bei gesunder Ernährung ebenfalls langsamer voran.

Die Forschenden werteten außerdem die Effekte für einzelne Lebensmittel separat aus. Mit erwartbaren Ergebnissen: Beeren und Geflügel waren demnach gutes Futter fürs Hirn, anders als Süßigkeiten und frittiertes Fast Food. Doch zwei Detailbefunde hatten die Fachleute nicht erwartet: Käsekonsum hing mit einem verminderten Hirnabbau zusammen, Vollkornkonsum dagegen mit einem vermehrten Hirnschwund, jeweils gemessen am Volumen der grauen Substanz, des Hippocampus und der Hirnventrikel.

Zur vorliegenden Stichprobe zählten überwiegend Frauen und Männer europäischer Abstammung, sodass die Befunde womöglich nicht auf andere Gruppen übertragbar sind. Die Autoren betonen auch, dass sie aus ihren Daten nicht auf eine Ursache-Wirkungs-Beziehung schließen können. Allerdings kontrollierten sie zahlreiche andere mögliche Einflussgrößen wie Alter, Bildungsniveau, körperliche Aktivität, Gewicht, Nikotinkonsum, Diabetes und Bluthochdruck. Dabei entdeckten sie beispielsweise, dass sich die Ernährung bei körperlich aktiven Personen stärker auswirkte – ein Hinweis darauf, dass eine gesunde Ernährung umso mehr bewirkt, wenn sie Teil eines auch sonst gesunden Lebensstils ist.

  • Quellen
Chen, H. et al., Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry 10.1136/jnnp-2025–336957, 2026

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