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Hirnforschung: Bei Licht an geht die Angstzentrale aus

Tagaktive Lebewesen wie der Mensch fürchten sich im Dunkeln leicht. Das lässt sich auch im Gehirn nachweisen: Licht hemmt dort die Schaltzentrale der Angst und sorgt für einen klareren Kopf.
Gott sei Dank, ein Lichtschalter!

Bei Dunkelheit bekommen Menschen meist schneller Angst, als wenn sie die gleiche Situation im Hellen erleben. Warum das so ist, hat ein Hirnforschungsteam um Sean Cain von der Monash University in Melbourne untersucht. Es fand heraus, dass die neuronale »Angstzentrale« Amygdala dafür verantwortlich ist. Sie ist im Dunklen aktiver als im Hellen.

Im Fachmagazin »PLOS ONE« schildert die Arbeitsgruppe, wie sich das im Gehirn bemerkbar macht. Dazu legte sie ihre 23 Probandinnen und Probanden in einen Hirnscanner und schaltete alle 30 Sekunden das Licht an beziehungsweise aus. In den dunklen Phasen war die Amygdala gleich bleibend aktiv, doch sobald das Licht anging, sank ihre Aktivität rasch ab.

Die Amygdala ist vermutlich direkt mit der Netzhaut verbunden. Ist sie aktiv, steuert sie leichter ein Gefühl der Angst oder Beklemmung zu der Bewertung einer Situation oder eines Gedankens bei. Ist sie gedämpft, empfindet man die gleiche Situation oder den gleichen Gedanken als weniger bedrohlich.

Cain und Team beobachteten noch ein weiteres Phänomen im Gehirn ihrer Freiwilligen. Sobald die Aktivität der Amygdala durch Licht eingebremst wurde, stieg das Wechselspiel zwischen ihr und dem ventromedialen präfrontalen Kortex an. Dieser ist an der Regulation von Angstgefühlen beteiligt. Auch das dürfte dem Menschen erlauben, im Hellen leichter zu einer kühleren Lageeinschätzung zu kommen.

Dass Licht die Angst machende Amygdala bremst, steckt wahrscheinlich hinter seiner allgemein stimmungsaufhellenden Wirkung, die sich auch therapeutisch nutzen lässt. Eine weitere Hirnregion werde ebenfalls durch das Umgebungslicht gehemmt, schreiben die Forscher und Forscherinnen in der aktuellen Studie. Die so genannte Habenula wirkt am Belohnungssystem mit und erzeugt dort im Hellen eine stärkere Belohnungserwartung als im Dunkeln.

Die angstlösende Wirkung von Licht trage wohl dazu bei, dass Menschen heutzutage dank künstlicher Beleuchtung die helle Phase des Tages lange in die Abend- und Nachtstunden hinein verlängern. Und das selbst dann, wenn dies ihrem natürlichen Rhythmus entgegensteht.

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