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Stammzelltherapie: Hirntumor nach Stammzellversuch gegen Diabetes

Eine Patientin entwickelte das gutartige Geschwulst, nachdem sie fötale Stammzellen erhalten hatte.
Krebszelle

Nach einer experimentellen Stammzelltherapie gegen Typ-I-Diabetes entfernten Ärzte einer Patientin im Iran einen Hirntumor. Das gutartige Geschwulst, ein so genanntes Meningeom, entstand, zwei Jahre nachdem die 57-jährige Patientin im Rahmen einer klinischen Studie fötale Stammzellen injiziert bekam. Wie das Team um Ensieh Nasli-Esfahani von der medizinischen Universität Teheran berichtet, ergab die anschließende Analyse des Gewebes, dass der Tumor mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die transplantierten Stammzellen zurückgeht. Es ist der erste Fall, in dem systemisch injizierte Stammzellen einen Tumor auslösen, in der Vergangenheit hatte es allerdings vereinzelt Krebsfälle bei lokalen Stammzellbehandlungen gegeben.

Die Patientin klagte acht Monate lang über heftige Kopfschmerzen, Sehstörungen und Übelkeit, bevor im Krankenhaus der zwei Zentimeter große Tumor diagnostiziert und entfernt wurde. Die anschließende genetische Charakterisierung der Tumorzellen zeigte nach Angaben der Forscherin, dass das Geschwulst aus Fremdgewebe bestand – den letzten Nachweis, dass es sich um die Stammzellen handelte, erbrachte das Team jedoch nicht. Der Vorfall ist nicht der erste Fall eines Hirntumors nach einer Stammzelltherapie – bereits 2009 machte ein ähnlicher Fall Schlagzeilen. Damals führten Fachleute die unschöne Nebenwirkung auf die Bedingungen des schlecht dokumentierten Versuchs zurück. Der neue Fall allerdings entstammt einer registrierten klinischen Studie.

04/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 04/2016

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