Eichenprozessionsspinner: Hitze als Booster – Eichenprozessionsspinner werden zur Plage

In den vergangenen Tagen sind sommerhafte Temperaturen eingekehrt. Von diesem Wetter profitiert derzeit ein eher ungeliebtes Tier: der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea). Die Schmetterlinge aus der Gruppe der Nachtfalter bevorzugen warmtrockene Bedingungen in lichten Eichenwäldern, an Bestandsrändern und Einzelbäumen. Ihre Raupen schlüpfen im April oder Mai, ziehen sich während des Junis in Gespinstnester zurück und gehen von dort auf Nahrungssuche, ehe sie sich Ende Juni bis Anfang Juli verpuppen. Vielerorts in Deutschland treten sie derzeit massenhaft auf und müssen bekämpft werden, da sie ein Gesundheitsrisiko darstellen.
Die Raupen besitzen winzige Brennhaare, die das Nesselgift Thaumetopoein enthalten. Ein Hautkontakt damit kann bei Menschen eine so genannte Raupendermatitis hervorrufen, eine Hauterkrankung mit Quaddeln, Rötungen und Juckreiz. Auch allergische Reaktionen, Atemwegsreizungen, Schwindelgefühl, Fieber und Atembeschwerden sind möglich, in seltenen Fällen sogar lebensbedrohliche Überempfindlichkeitsreaktionen des Immunsystems. Die Empfindlichkeit gegenüber den Brennhaaren kann zunehmen, wenn man wiederholt in Kontakt kommt. Das Umweltbundesamt empfiehlt, Gebiete mit befallenen Bäumen zu meiden.
Um die Raupen zu bekämpfen, haben Hubschrauber bereits bakterienbasierte Insektizide auf vielen Hundert Hektar ausgebracht – unter anderem in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. In anderen Regionen werden Eichen nahe Kindergärten, auf Friedhöfen und an Sportplätzen vorbeugend besprüht. In Leipzig setzen Fachleute dieses Jahr Fadenwürmer als Gegenmittel ein; oft werden auch die Nester des Eichenprozessionsspinners von befallenen Bäumen gesaugt. Betroffene Gebiete werden häufig gesperrt oder mit Warnschildern versehen.
Eichenprozessionsspinner stammen ursprünglich aus Südosteuropa. Noch vor wenigen Jahrzehnten kamen sie in Deutschland nur sehr selten vor. Mittlerweile treten sie hierzulande immer öfter auf. »Im Zuge des Klimawandels und der damit verbundenen wärmeren Frühjahrsmonate ist eine Ausweitung der Befallsgebiete zu erwarten«, heißt es beim Umweltbundesamt.
Eichenprozessionsspinner werden oft mit Gespinstmotten verwechselt
Spinnennetzartige, große Gespinste an Sträuchern und Bäumen wecken bei Menschen oft die Befürchtung, es mit dem Eichenprozessionsspinner zu tun zu haben. Sie stammen aber meist von Gespinstmotten (Yponomeutidae), von denen keine gesundheitliche Gefahr ausgeht. Man erkennt sie daran, dass im Inneren der eingesponnenen Pflanzenteile oft weißliche, weitgehend haarlose Raupen mit schwarzen Flecken zu sehen sind. Gespinstmotten nutzen viele Baum- und Straucharten – anders als Eichenprozessionsspinner, die fast ausschließlich Eichen befallen. (dpa/fs)
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