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Verhalten bei Hitze: Was Nord- von Südeuropäern lernen können

In Ländern wie Spanien, Italien und Griechenland haben die Menschen schon lange Erfahrung mit extremen Temperaturen. Wie sie damit umgehen – und wovon sie Mittel- und Nordeuropäern abraten.
Eine verschwommene Straßenszene bei starkem Sonnenlicht, in der mehrere Personen auf einem Bürgersteig spazieren. Die goldenen Töne des Sonnenlichts erzeugen eine warme Atmosphäre. Im Hintergrund sind Gebäude und Bäume zu erkennen.
Es lohnt sich, der Hitze aus dem Weg zu gehen – der Gesundheit zuliebe. Einfache Maßnahmen helfen, den Alltag in der heißen Jahreszeit angenehmer zu gestalten.

Ohne Hut in praller Sonne unterwegs, zum Frühstück um 11:00 Uhr das erste Bier, Krebsröte nach unzähligen Stunden am Strand – in der Urlaubssaison staunen Südländer immer wieder über ihre Besucher. Nun aber holt das Wetter auch die Mitte und den Norden Europas ein, und die Menschen müssen umdenken. Wie machen es die anderen, im Süden? Und was machen wir falsch?

Gefahren des Hitzschlags

In Griechenland wurden in den vergangenen Jahren bei Sommerhitze immer wieder tote Touristen beklagt. Unterschätzt werden vor allem Wanderungen in mittäglicher Hitze. Wenn 37 Grad Celsius im Schatten herrschen, steigen die Temperaturen in der prallen Sonne durchaus auf 60 Grad. Griechische Ärzte warnen, dass man schnell dehydrieren kann. Die Gefahr eines Hitzschlags ist hoch, besonders für ältere Menschen.

Die Folgen des Hitzschlags: Man wird verwirrt und verliert die Orientierung. Das sorgt besonders in abgelegenen Wanderregionen immer wieder für tödliche Unfälle, weil die Menschen sich verlaufen, es nicht mehr schaffen, telefonisch Hilfe zu rufen und nicht schnell genug gefunden werden. 

Die Griechen selbst würden nie auf die Idee kommen, in den heißen Mittagsstunden wandern oder bummeln zu gehen. Mittags legt man sich ins abgedunkelte Zimmer und ruht – am besten, nachdem man mit der Air Condition alles ordentlich heruntergekühlt hat. Die Fensterläden bleiben während Hitzewellen rund um die Uhr geschlossen.

Immer wieder Einsätze auf Mallorca

In Spanien und Portugal unterläuft Touristen aus Nordeuropa oft derselbe Fehler: Sie unterschätzen extreme Hitze um die 40 Grad und die viel intensivere Sonneneinstrahlung. Das ist gut verständlich nach gefühlt Monaten unter grauem Winterhimmel, kann aber gerade für Kinder und ältere Menschen schnell lebensgefährlich werden.

Immer wieder rücken etwa auf Mallorca Rettungssanitäter aus, um hitzegeschädigte Urlauber zu versorgen. Manche gehen zur heißesten Jahreszeit über Mittag wandern, ohne Wasser und nur mit Schlappen an den Füßen. Wenn sie sich dann auch noch verlaufen, wird es eng. Viele schleichen zudem spätestens nach dem zweiten Urlaubstag krebsrot durch die Gegend, eine Folge von zu wenig Sonnencreme oder einem zu niedrigen Schutzfaktor.

Einheimische hingegen setzen sich morgens bis etwa 10:00 Uhr an den Strand oder abends ab 18:00 Uhr. In den sehr heißen Stunden dazwischen gehört der Strand ganz den Urlaubern. Spanier und Portugiesen ziehen sich – wenn möglich – in die Siesta zurück, viele Läden sind geschlossen. Touristen hingegen teilen sich den Tag eher wie in der kühleren Heimat ein und landen beim Joggen oder Fahrradfahren in der heißesten Tageszeit.

Tagsüber sollte man nur leichte Mahlzeiten zu sich nehmen und um Urlauber-Imbisse, die mit »Futtern wie bei Muttern« auch in der Fremde mit Schnitzel und Pommes locken, lieber einen großen Bogen machen. Für Einheimische steht die Hauptmahlzeit des Tages meist erst ab 21:00 Uhr an. 

Andere Gewohnheiten

In Italien geht es bei Hitze oft weniger um einzelne Hilfsmittel, sondern um kleine, eingespielte Alltagsgewohnheiten. Typisch sind zum Beispiel die vielen öffentlichen Trinkbrunnen in Städten – in Rom die »Nasoni« mit Trinkwasser –, an denen sich Menschen ganz selbstverständlich Wasser holen und sich dabei oft auch kurz Hände oder Handgelenke kühlen. Das gehört dazu: ein kurzer Stopp, ein paar Schlucke, weitergehen.

Auffällig ist auch der konsequente Schatten-Instinkt: Wege werden ganz selbstverständlich so gewählt, dass man möglichst im Schatten bleibt. Man sieht selten jemanden freiwillig lange in der prallen Sonne stehen, wenn es vermeidbar ist. Zugegeben: Daran können sich Touristen nicht immer halten. Das sonntägliche Angelus-Gebet des Papstes findet mitten in der Mittagszeit auf dem offenen Petersplatz in Rom statt – in der prallen Sonne und mit kaum Schatten.

Auch der italienische Tagesablauf selbst wirkt wie eine Art Hitzeschutz: In den heißen Mittagsstunden werden Erledigungen gar nicht erst geplant. Stattdessen ist diese Zeit für Pause, Rückzug und Ruhe reserviert – das Dorf, die Stadt werden erst wieder lebendig, wenn abends die Temperaturen sinken.

Erfrischung suchen

In Frankreich setzen die Menschen bei Hitze auf etwas, das vielen in Deutschland wohl nicht sofort in den Sinn kommen würde: feuchte Haut. In Apotheken gibt es bei hohen Temperaturen zuhauf Sprühflaschen zu kaufen. Auch die Krankenkasse empfiehlt, mindestens Gesicht und Unterarme mehrmals am Tag zu befeuchten. Sobald man das Haus verlässt, soll man neben der Wasserflasche möglichst einen kleinen Wasserzerstäuber dabeihaben.

Die kleinen Flaschen sind auf der Straße und auch drinnen häufig zu sehen. Ein paar Spritzer ins Gesicht, in den Nacken oder auf Arme und Beine sollen helfen, abzukühlen. Besonders schön daran: Gerne wird in Frankreich auch links und rechts etwas gesprüht und Frische verschenkt.

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