Hitzewelle: Ab spätestens Juli geht es den Gletschern an die Substanz

Schätzungsweise ab dem 29. Juni 2026 sind die Schneereserven auf den Schweizer Gletschern für dieses Jahr aufgebraucht. Danach verlieren sie mit jedem Liter Schmelzwasser an Substanz, kalkulieren Experten der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft. Damit setzt sich ein bedenklicher Trend fort, der allein zwischen 2003 und 2022 mehr als 200 Quadratkilometer Eisfläche gekostet hat. Besonders stark war der Eisverlust 2022, als quer durch die Alpen die Gletscher schmolzen. Damals war der »Gletscherschwundtag« schon am 26. Juni erreicht. 2026 ist diesem Rekorddatum dicht auf den Fersen.
Vorausgegangen war 2026 ein schneearmer Winter, den selbst späte Schneefälle im beginnenden Frühjahr nicht mehr ausgleichen konnten. Im März lagerte sich zudem Saharastaub in großen Mengen auf den Bergen ab: Er verringerte die Albedo und begünstigte dadurch bereits früh durch zusätzliche Aufwärmung die Schneeschmelze. Und auch die aktuelle Hitzewelle, die weite Teile West- und Mitteleuropas im Griff hält, macht vor den Schweizer Alpen nicht Halt. Sie löst bis in große Höhen Tauwetter aus. Was noch an Schnee auf den Gletschern liegt, dürfte bis Ende Juni aufgebraucht sein, so die Forscher. In tieferen Lagen greift die Wärme bereits jetzt das Eis direkt an.
Auch im Rekordjahr 2022 hatte es im Winter wenig geschneit. Mit drei Hitzewellen war das Jahr in der Schweiz das bislang wärmste seit Messbeginn 1864. Die Sommertemperaturen lagen zwar im Hitzesommer 2003 noch höher, doch folgte dieser einem schneereicheren Winter. Die Gletscher schmolzen deshalb 2022 stärker als jemals zuvor – übers ganze Jahr hinweg verloren sie rund sechs Prozent ihrer Masse. 2026 folgen die Daten bislang der Verlustlinie von damals.
Das Wasser der Gletscher hilft immerhin, sinkende Wasserstände und steigende Wassertemperaturen abzufedern – freilich nur, solange es noch genügend Gletscherfläche gibt. Ihr Schwund könnte sich in dieser Hinsicht bereits bemerkbar machen, zumindest in Extremjahren. Daten des WSL zeigen, dass das Schmelzwasser der Gletscher zwischen Juni und August 2022 in den meisten untersuchten Einzugsgebieten weniger zum Abfluss beitrug als in den drei Sommermonaten 2003 – und das, obwohl die Gletscher 2022 viel stärker schmolzen. Die wahrscheinliche Erklärung: Ihre Fläche und ihr Volumen waren jedoch bereits deutlich geringer. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis viele Gletscher als Wasserquelle ausfallen, schlicht, weil sie verschwunden sind. Allein zwischen 1973 und 2016 gingen in der Schweiz über 1000 Gletscher komplett verloren. Bis 2100 könnten im besten Fall noch zwölf Prozent aller Gletscher alpenweit existieren; der Rest wäre komplett abgetaut.
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