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Sinnesphysiologie: Hochspannungsleitungen stören Magnetsinn von Kühen

Einen neuen Beleg dafür, dass Rinder und Rehe einen Magnetsinn besitzen, haben Forscher um Hynek Burda von der Universität Duisburg-Essen gefunden. Sie zeigten, dass die Tiere, die ihre Körperachse normalerweise bevorzugt nach dem Magnetfeld der Erde in Nord-Süd-Richtung ausrichten, nicht mehr dazu in der Lage sind, wenn sie unter Hochspannungsleitungen grasen.

Rinder in Reih und GliedLaden...
Rinder in Reih und Glied | Rehe und Rinder haben einen Magnetsinn, glauben Forscher: Wenn sie nicht gerade fröstelnd sonnenbaden oder sich vor beißendem Wind schützen müssen, richten sich die grasenden Tiere vorzugsweise entlang einer Nord-Süd-Achse aus. Das könnte auch bei den abgebildeten Tieren in der Abendsonne der Fall sein – oder machen sie nur neugierig Front gegen den Fotografen?
Die Wissenschaftler werteten für ihre Analyse Satellitenbilder des Internetdienstes Google Earth aus, auf denen mehrere hundert Viehherden in ganz Europa zu erkennen sind. Während sich auf leitungslosen Wiesen die Mehrheit der Tiere den Nord-Süd-Magnetlinien anpassten, waren die Körperachsen der hochspannungsbeeinflussten Wiederkäuer zufällig verteilt.

Hochspannungsleitungen erzeugen ein Magnetfeld, welches das natürliche Feld der Erde überlagert. Mit zunehmender Entfernung von der Leitung nimmt die Feldstärke ab – und die Nord-Süd-Orientierung der Tiere wieder zu, wie die Forscher zeigten. Einflüsse wie Sonnenstand, Windrichtung und Hangneigung spielen daher eine eher untergeordnete Rolle.

Über den physiologischen Mechanismus des Magnetsinns ist bisher nichts bekannt, und auch über den Nutzen der Magnetfeldausrichtung können die Wissenschaftler nur spekulieren. Anderen Tieren, wie zum Beispiel Vögeln und Nagern, dient der Magnetsinn zur Orientierung und Navigation. Vorstellbar wäre auch, dass damit Herdenbewegungen besser synchronisiert werden oder dass die Magnetfelder Körperfunktionen der Tiere beeinflussen. (ff)
12. Woche 2009

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 12. Woche 2009

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  • Quellen
Burda et al.: Extremely low-frequency electromagnetic fields disrupt magnetic alignment of ruminants. In: Proceedings of the National Academy of Sciences 10.1073.pnas.0811194106, 2009.

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