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Hochwasser: Magdalenenflut war Höhepunkt einer ganzen Katastrophenkette

Die Magdalenenflut 1342 gilt als Jahrtausendflut. Doch eine neue Studie zeigt: Sie kam nicht allein, sondern war Teil einer in Europa wohl beispiellosen Serie an Überflutungen.
Eine Steinplatte mit eingraviertem Text in gotischer Schrift. Der Text ist in mehreren Zeilen angeordnet und enthält historische oder religiöse Inschriften. Die Buchstaben sind kunstvoll gestaltet und in den Stein eingraviert, was auf eine alte oder mittelalterliche Herkunft hindeutet. Die Platte ist Teil einer größeren architektonischen Struktur.
Die Magdalenenflut 1342 erreichte Hochwasserstände wie wenige andere Hochwasserkatastrophen in Europa. Davon zeugt etwa diese Hochwassermarke an der Pfarrkirche St. Blasius in Hannoversch-Münden.

Das Jahr 1342 war für die Menschen in Mittel- und Osteuropa katastrophal: Auf einen harten, schneereichen Winter folgte ein kühles und feuchtes Frühjahr, das nur kurz von warmen Sommerwochen unterbrochen wurde – bis extreme Regenfälle um den 19. Juli einsetzten, die tagelang anhielten. Sie lösten die Magdalenenflut aus, die bis heute als das schlimmste Hochwasser gilt, das diesen Teil Europas heimsuchte. Tausende Menschen verloren ihr Leben, noch mehr ihr gesamtes Hab und Gut. Die Spuren prägen teils bis heute die Landschaft. Eine Studie von Andrea Kiss von der Technischen Universität Wien und ihrem Team zeigt, dass diese Überflutungen Teil einer ganzen Serie von katastrophalen Hochwasserereignissen waren. Über zwei Jahre hinweg traten demnach 16 Überflutungen in der Region auf, die klimatisch miteinander zusammenhingen.

Die internationale Arbeitsgruppe hat dazu mehr als 1000 historische Quellen analysiert, die sie aus verschiedenen Teilen Europas zusammengetragen hat. Die Wissenschaftler fanden zahlreiche Berichte, welche die dramatischen Ereignisse zusammenfassten: Tod durch die Fluten und anschließende Seuchen und Hungersnöte, zerstörte Infrastruktur und Handelswege, eine schwer getroffene Wirtschaft. So wurde die Judithbrücke in Prag – Vorläufer der heutigen Karlsbrücke – von der Moldau fortgerissen, ebenso wie Brücken in Dresden, Erfurt oder Bautzen; in Nürnberg stand das Wasser bis zum Rathaus, in Frankfurt bis zur Bartholomäuskirche. Geschätzte 13 Milliarden Tonnen Boden gingen in den wenigen Tagen der Magdalenenflut verloren – mehr als sonst über Jahrhunderte, manche Dörfer verloren mehr als die Hälfte ihres Ackerlandes.

Doch wie Kiss und Co herausgefunden haben, war die Magdalenenflut nicht allein. »Wie eine Perlenkette zieht sich eine Serie von Hochwasserereignissen durch die Jahre 1341 bis 1343. Nicht alle gleich verheerend, nicht alle am selben Ort, aber doch alle in einem klar erkennbaren Zusammenhang«, so Kiss in einer Mitteilung. Vier der 16 nachgewiesenen Hochwasser erreichten demnach eine statistische Wiederkehrperiode von 500 bis 1000 Jahren und gelten daher wie die Magdalenenflut – benannt nach dem Tag der Heiligen Maria Magdalena, der am 22. Juli begangen wird – als echte »Jahrtausendfluten«. Nach den jeweiligen Zeiträumen benannten die Forscher diese als Lichtmess-, Jakobs- und Bartholomäusflut. Das Jahr 1342 bekommt daher den Titel des hochwasserreichsten Jahres der vergangenen 700 Jahre. Das anschließende Jahr 1343 folgt schon auf Platz drei. 

Ausgelöst wurde diese Katastrophenserie laut der Analyse wahrscheinlich durch eine kritische Kombination verschiedener Faktoren: Um 1340 brachen mindestens fünf Vulkane in den Tropen sowie der isländische Hekla aus, wodurch enorme Mengen an Asche und schwefelhaltigen Aerosolen in die Atmosphäre geblasen wurden. Diese wirken wie ein Sonnenschirm, mindern die Einstrahlung und kühlen die Erde ab. Vielleicht spielten zudem eine geringere Meereisbedeckung in der Arktis und eine geringe Sonnenaktivität eine Rolle. Insgesamt veränderten sich wohl atmosphärische Zirkulationsmuster, die beispielsweise zu ortstreuen Tiefdruckgebieten führten, aus denen es lange Zeit regnet. Als potenzielle Ursache der Magdalenenflut gilt eine sogenannte Vb-Strömung, bei der feuchtwarme Luft aus dem Mittelmeer östlich um die Alpen herumgeführt wird und dabei auf Kaltluft trifft. Derartige Wetterlagen sorgten auch in der jüngeren Vergangenheit immer wieder für großräumige Hochwasser, wie an der Oder 1997 oder der Elbe 2002 und 2013.

Wer genau hinsieht, erkennt sogar bis heute die Spuren der damaligen Fluten in der Landschaft: So rissen die Niederschläge innerhalb von wenigen Stunden tiefe Schluchten in die Hänge, wie zum Beispiel im Taunus. Selbst mitten in Wäldern klafften plötzlich bis zu 14 Meter tiefe Canyons, und oft genug brachen ihre instabilen, durchfeuchteten Wände danach ein, was weitere Teile der Hänge verwüstete. Viele betroffene Standorte sind besonders in den unteren und mittleren Höhenlagen der Mittelgebirge weiterhin nicht ackerbaulich nutzbar.

»Hochwasser sind statistisch nicht unabhängig voneinander: Sie treten nicht einfach zufällig ein wie Lottogewinne, sondern können statistisch und ursächlich zusammenhängen«, betont der an der Studie beteiligte Wiener Hydrologe Günter Blöschl. Sequenzen mehrerer Extremhochwasser binnen weniger Monate würden im heutigen Risikomanagement dennoch kaum berücksichtigt – obwohl der Klimawandel solche Häufungen künftig wahrscheinlicher macht. Auch wenn das im Dürrejahr 2026 vielleicht keiner glauben mag.

  • Quellen

Kiss, A. et al., Nature 10.1038/s41586–026–10888–8, 2026

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