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News: Hochwirksame Winzlinge

Vor noch nicht einmal hundert Jahren wurden die lebensnotwendigen Winzlinge für viele Stoffwechselprozesse, die Vitamine, entdeckt, doch ihre Geschichte reicht bis in die Antike zurück. Schon 2500 vor Christi behandelten die alten Ägypter und die Griechen Nachtblindheit - eine Folge von Vitamin A-Mangel - mit Extrakten von roher Leber. Wissenschaftler setzten nun die Vitamine erfolgreich ein, um unerwünschte Nebenwirkungen der Chemotherapie bei der Krebsbehandlung zu bekämpfen.
Die Chemotherapie ist eine geläufige Methode, um Patienten mit Prostata-, Gebärmutter- und Gebärmutterhalskrebs zu behandeln. Die Bestrahlung tötet zwar effektiv wuchernde Krebszellen ab, doch schädigt sie ebenfalls benachbarte, gesunde Zellen. Derartig verletzte Zellen bilden freie Sauerstoffradikale, welche die Struktur von Zellen verändern oder schädigen und den Blutfluss zu den Zellen einschränken. Als Begleiterscheinung der Chemotherapie erkranken deshalb viele Patienten an einer chronischen Entzündung des Enddarmes (Proctitis). Ihre Symptome, zu denen Durchfall, Schmerzen, Blutungen und Inkontinenz zählen, klingen gewöhnlich innerhalb einiger Wochen nach der letzten Strahlenbehandlung ab. In 10 bis 20 Prozent der Fälle bleiben die Beschwerden jedoch weiterhin bestehen, und bei anderen Patienten entwickeln sie sich erst Monate oder Jahre später. Die traditionell verabreichten entzündungshemmenden Medikamente zeigten jedoch bislang nicht den gewünschten Erfolg.

Schon seit längerem war bekannt, dass Vitamine Gewebe vor Strahlenschäden schützen können. Das fettlösliche Vitamin E (Tocopherol) hat als kräftiges Antioxidans vor allem eine Schutzfunktion auf Zellmembranen, indem es hochreaktive Sauerstoffverbindungen abfängt. Das wasserlösliche Vitamin C (Ascorbinsäure) verstärkt kombiniert mit Vitamin E dessen Wirkung.

Daher untersuchten nun Wissenschaftler des Rush Presbyterian St. Luke´s Medical Center in Chicago, ob diese Vitamine auch zur Behandlung chronischer Proctitis infolge einer Chemotherapie geeignet sind. An der Studie nahmen 20 betroffene Patienten teil – jeweils zehn Frauen und Männer –, die acht Wochen lang dreimal täglich je eine Tablette mit Vitamin E zusammen mit 500 Milligramm Vitamin C einnahmen. Anhand eines Fragebogens bewerteten die Patienten die Schwere und Häufigkeit ihrer Krankheitssymptome vor und nach der Vitaminbehandlung. Zusätzlich stuften sie den Einfluss der Symptome auf ihren Lebensstil ein. Zehn der untersuchten Personen wurden erneut nach einem Jahr befragt, ob ihre Einschätzungen direkt nach der Vitaminkur auch weiterhin zutrafen.

Die Auswertung der Fragebögen zeigte, dass sich die Krankheitssymptome Blutungen, Durchfall und Inkontinenz infolge der Vitaminbehandlung deutlich verbessert hatten. Dreizehn Patienten berichteten von deutlich verbesserter Lebensqualität, sieben von ihnen konnten sogar zu ihrem normalen Lebensstil zurückkehren. Weiterhin teilten alle zehn der nach einem Jahr kontrollierten Patienten mit, dass sich ihre Symptome dauerhaft gemildert hätten, solange sie weiterhin die Vitamine einnahmen. Hingegen zeigten die Vitamingaben bei Patienten mit rektalen Schmerzen keinen bedeutsamen Erfolg.

Die verabreichten organischen Verbindungen können demnach bei Patienten mit chronischer Proctitis verhindern, dass freie Sauerstoffradikale Zellen schädigen. Zudem verstärken sie vermutlich den Blutfluss zu den verletzten Zellen. Eine umfassendere Doppelblindstudie soll nun klären, ob die Vitaminkur geeignet ist, um die chronische Proctitis infolge von Bestrahlungen zu vermeiden.

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