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Astrobiologie: Höllenritt zu heiß für Bakterien

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Könnte das Leben aus dem All stammen? Und lassen sich in Meteoriten vielleicht Spuren von Organismen auf dem Mars entdecken? Solche Fragen stoßen auch in der Öffentlichkeit auf großes Interesse. Frances Westall von der Université d’Orleans und seine Kollegen suchten nun nach einer Antwort, indem sie kurzerhand eine einfachere Frage stellten: Würden Organismen in einem Himmelskörper überhaupt den Absturz auf die Erde überleben und, wenn nicht, welche Reste von ihnen wären nachweisbar?

Um dies herauszufinden, versetzten Westall und seine Kollegen irdische Gesteinsbrocken mit Mikrofossilien sowie mit Bakterien der Gattung Chroococcidiopsis und befestigten sie am Hitzeschild der FOTON M3-Kapsel, die im September 2007 zusammen mit weiteren Experimenten von Baikonur aus zu einem kurzen Flug ins All startete. Als die Sonde zwölf Tage später zur Erde zurückkehrte, wurden die Brocken an der Außenseite beim Eintritt in die Erdatmosphäre auf rund 1700 Grad Celsius erhitzt – ähnlich wie ein abstürzender Meteorit.

Die Forscher hatten für das Experiment Sedimentgesteine gewählt, da diese am ehesten Lebewesen oder Fossilien enthalten. Wie Westall nun auf dem European Planetary Science Congress in Münster berichtet, verdampften die Proben nicht völlig, sondern überzogen sich mit einer weißlichen Schmelzkruste. Die Bakterien vertrugen die hohen Temperaturen allerdings nicht. Sie hinterließen nur verkohlte Überreste. Mikrofossilien tief im Innern der künstlichen Meteoriten überstanden den Absturz dagegen.

Demnach können niemals voll entwickelte Organismen aus dem All auf die Erde gelangt sein, sondern allenfalls Biomoleküle. Eventuelle Lebensspuren in Marsmeteoriten sollten sich dagegen nachweisen lassen. Nur müssten Astrobiologen dafür nach fast weißen Gesteinsbrocken suchen. Die bisher bekannten Marsboten sind schwarze Basaltstücke, die in der Antarktis entdeckt wurden, wo sie sich gut vom eisigen Untergrund abheben.

Jan Hattenbach

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