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News: Hört, hört

Unser Gehör ist eine empfindliche Angelegenheit. Die Haarzellen im Innenohr, die Schallsignale zur Weiterverarbeitung in elektrische Reize übersetzen, wachsen nur im Embryo. Werden sie später geschädigt, bezahlen die Betroffenen mit Hörschwierigkeiten oder gar Hörverlust. In Petrischalen lassen sich Zellen aus dem Innenohr neugeborener Ratten mit Hilfe eines eingeschleusten Gens zu Haarzellen heranziehen. Ob diese Methode jedoch auch bei ausgewachsenen Tieren oder sogar beim Menschen funktioniert, müssen weitere Versuche erst zeigen.
Damit Säugetiere Geräusche wahrnehmen können, müssen die an der Ohrmuschel eintreffenden Schallsignale in elektrische Reize umgewandelt werden, die Nervenzellen dann an das Gehirn weiterleiten. Diese Aufgabe übernehmen die so genannten Haarzellen im Innenohr. Sie wachsen jedoch nur in dem sich entwickelnden Embryo. Werden sie später geschädigt, kann der Körper die Zellen nicht mehr ersetzen. Aus diesem Grund leidet mehr als ein Drittel der über 64-Jährigen an zumindest partiellen Verlusten ihres Hörvermögens.

Seit Jahrzehnten wissen Forscher, dass Tiere eines bestimmten Mäusestamms, denen das Gen Math1 fehlt – ein Gen, das andere Gene an- oder abschaltet –, ohne Haarzellen und daher gehörlos zur Welt kommen. Die Neurobiologen Wei-Qiang Gao und J. Lisa Zheng von Genentech Inc. in South San Francisco wollten nun wissen, ob eine Extra-Dosis Math1 nicht vielleicht doch ein neuerliches Wachstum von Haarzellen auslösen kann, auch wenn die Embryonalentwicklung bereits abgeschlossen ist.

Die Wissenschaftler fertigten dünne Schnitte des Innenrohrs frischgeborener Ratten an und kultivierten sie in Petrischalen. Anschließend machten sie die Membranen mittels Elektroporation durchlässig. So konnten sie ein speziell konstruiertes Stück DNA, welches das Math1-Gen enthielt, in die Zellen einschleusen.

Die Zellen reagierten wie gewünscht. Kaum hatten sie das entsprechende Gen, begannen sie, das dazugehörige Protein zu synthetisieren. Innerhalb der nächsten Tage verwandelten sich die Zellen mit dem Extra-Gen langsam in Haarzellen, was elektronenmikroskopische Aufnahmen bestätigten (Nature Neuroscience vom Juni 2000).

Die Ergebnisse wecken Hoffnungen auf eine Gen-Therapie für Menschen mit Schädigungen der Haarzellen. Bis dahin müssen die Wissenschaftler jedoch noch viele Schwierigkeiten überwinden und Unsicherheiten klären. So verwendeten die Forscher in dem Experiment Gewebe von Neugeborenen, aber nicht von ausgewachsenen Tieren. Und ob sich dieselben Erfolge auch dort wiederholen lassen, müssen weitere Versuche erst zeigen.

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