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Kindesentwicklung: Hörtest soll spätere Lernschwierigkeiten offenbaren

Bekommt ein Kind später Probleme mit Lesen und Schreiben? Ein Test, der offenbart, wie das Gehirn auf bestimmte Laute in lärmender Umgebung reagiert, könnte es verraten.
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Wissenschaftler um Nina Kraus von der Northwestern University haben einen Hörtest entwickelt, der schon vor der Einschulung Aufschluss darüber geben soll, ob ein Kind später einmal Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben haben wird. Die Forscher spielten 112 Kindern zwischen drei und 14 Jahren mit Kopfhörern unterschiedliche Laute vor. Auf dem rechten Ohr wurde den Probanden immer wieder ein Konsonant vorgesprochen, untermalt mit Gesprächen von sechs verschiedenen Rednern. Auf dem linken Ohr hörten sie dagegen den Soundtrack ihres Lieblingsfilms. Mit Hilfe eines Elektroenzephalogramms (EEG) maßen die Wissenschaftler dabei, wie schnell und wie deutlich die Gehirne der Kinder über einen längeren Zeitraum hinweg auf den Konsonanten reagierten.

Aus diesen Daten erstellten Kraus und ihr Team schließlich ein Modell, mit dem sie recht zuverlässig vorhersagen konnten, wie Dreijährige in verschiedenen Tests für die Vorbereitung auf das Lesen abschneiden würden und wie gut sich ein Jahr später bei ihnen verschiedene Sprachfertigkeiten weiterentwickelt hatten, die ebenfalls bedeutsam für das Lesenlernen sind. Bei Schulkindern konnten die Wissenschaftler auf diese Weise bestimmen, wie es um die Lesefähigkeiten bestimmt war und ob bei ihnen zwischenzeitlich Lernschwäche festgestellt worden war.

Die Tatsache, dass sich das mit einem derart simplen Test vorhersagen lässt, erklären die Forscher damit, dass Geräusche von besonderer Bedeutung bei der Entwicklung von Sprachfähigkeiten sind. Da ein gewisser Geräuschpegel in unserem Alltag stets zugegen ist, werde es später schwierig mit dem Lesen- oder Schreibenlernen, wenn ein Kind bedeutungsvolle Laute nicht aus Hintergrundgeräuschen heraushören kann, weil dann schlicht die akustischen Grundvoraussetzungen fehlten. Bei Konsonanten sei das schwieriger als bei Vokalen, sagt Kraus, weil sie meist schneller gesprochen werden und akustisch nicht so simpel sind. Könne man Kinder, die es später in der Schule schwerer haben werden, mit dieser Methode herausfiltern, könnte man bereits frühzeitig damit beginnen, die Nachteile auszugleichen, glaubt die Forscherin. Denn das funktioniert umso besser, je eher man beginnt. Das Team will den schulischen Werdegang seiner Probanden in den kommenden Jahren weiter mitverfolgen.

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