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Kulturgeschichte: Homo sapiens lernte von seinen Vorfahren

Die kulturellen und technologischen Umwälzungen, die bisher als typisch für den Umbruch von der Älteren zur Mittleren Altsteinzeit angesehen wurden, ereigneten sich womöglich deutlich früher als bislang gedacht. Forscher der University of California in Berkeley spekulieren sogar, dass einige Neuerungen im Werkzeuggebrauch, die mit dem Aufkommen des modernen Homo sapiens erklärt worden waren, zur fraglichen Zeit vor etwa 200 000 Jahren schon längst von der älteren Menschenart Homo erectus vollzogen worden waren. Dieser frühe Mensch könnte demnach schon sehr fortschrittliche Fähigkeiten gehabt haben, so die Forscher.

Leah Morgan und Palu Renne schließen dies aus verbesserten Datierungen zweier Grabungsstellen in Äthiopien, deren Fundstücke der Mittleren Altsteinzeit zugeschrieben werden. Die genaue Argonisotopenanalyse des Vulkangesteins am Fundort ergab, dass die hier gefundenen fortschrittlich gefertigten Steinklingen und Speerspitzen teilweise wohl bis zu 276 000 Jahre alt sind, so die Forscher. Zudem habe sich die Technologie wohl mehr als 90 000 Jahre lang in der Umgebung gehalten.

Die ältesten Funde des modernen Homo sapiens tauchen in Afrika dagegen erst vor 195 000 Jahren auf. Morgan und Renne vermuten nun, dass eine nicht eindeutig definierte Übergangs-Menschenform zwischen spätem Homo erectus und frühem Homo sapiens schon entscheidende Schritte der technologischen Steinwerkzeugentwicklung hinter sich hatte. Manche der Fossilfragmente, die in den letzten Jahren in Afrika gefunden wurden, könnten womöglich dieser etwa 400 000 bis 200 000 Jahre alten Übergangsform zuzurechnen sein. (jo)
49. Woche 2008

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 49. Woche 2008

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