Direkt zum Inhalt

Hondius: Hantavirus-Ausbruch: Deutsche Kontaktperson weiter in Klinik

Die WHO bewertet den Hantavirus-Ausbruch auf der »Hondius« nicht als Beginn einer neuen Pandemie. In Düsseldorf wird eine Passagierin untersucht – es soll bald ein Ergebnis geben.
Ein fluoreszenzmikroskopisches Bild zeigt eine Ansammlung von runden Strukturen, die in verschiedenen Farben leuchten. Die Strukturen sind gleichmäßig verteilt und heben sich deutlich vom Hintergrund ab. Die Farben variieren von Blau über Grün bis Rot, was auf unterschiedliche Intensitäten oder Zusammensetzungen hinweisen könnte. Das Bild dient der Visualisierung mikroskopischer Details, die für wissenschaftliche Analysen relevant sind.
Hantavirenpartikel in einem eingefärbten Elektronenmikroskopbild: Das Virus kann in seltenen Fällen eine tödliche Wirkung entfalten.

Dieser Inhalt wurde automatisch von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) übernommen und von Spektrum.de nicht redaktionell bearbeitet.

Der Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff »Hondius« mit drei Todesfällen beschäftigt Gesundheitsbehörden und Mediziner in mehreren Ländern. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden inzwischen fünf Hantavirus-Infektionen nachgewiesen, hinzu kommen Verdachtsfälle. In Deutschland wird an der Uniklinik Düsseldorf (UKD) eine Passagierin untersucht, die neben zwei kranken Crew-Mitgliedern ausgeflogen worden war. 

Nach Angaben eines Düsseldorfer Kliniksprechers gibt es keine Hinweise auf eine Infektion bei der Person aus Deutschland. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Inkubationszeit seien jedoch zusätzliche Untersuchungen erforderlich. Deshalb würden die Schutzmaßnahmen vorsorglich aufrechterhalten, sagte der Sprecher am Donnerstag.

Bei dem Ausbruch starben bislang drei Menschen, ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden sowie eine Frau aus Deutschland. Nach Angaben des niederländischen Außenministeriums soll die 65-jährige Deutsche, die nun in der Uniklinik ist, in engem Kontakt mit der deutschen Frau gestanden haben, die an Bord gestorben war. Das UKD äußerte sich bisher nicht genauer zu der Person, die am späten Mittwochabend aufgenommen worden war.

Das Klinikum wollte ursprünglich am Vormittag über die Ergebnisse berichten, das verzögerte sich dann aber. Man werde noch weitere Kontrolluntersuchungen durchführen, sagte ein Sprecher. Es sei aber geplant, aussagekräftige Informationen noch im Tagesverlauf vorzulegen.

WHO sieht eine »ernste Lage«

»Dies ist eine ernste Lage, aber die WHO betrachtet das Risiko für die öffentliche Gesundheit als gering«, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Donnerstag, 07. Mai, in Genf. »Dies ist nicht der Beginn einer Pandemie«, betonte die amtierende Nothilfekoordinatorin Maria van Kerkhove. Ein Vergleich mit dem Start der Coronapandemie vor sechs Jahren sei nicht angebracht. 

Unterdessen teilten die niederländischen Gesundheitsbehörden mit, dass eine Stewardess, die engen Kontakt mit der am Virus gestorbenen älteren Frau hatte, nicht infiziert sei. Ein Test sei negativ. Das bestätigte auch die WHO. Die Flugbegleiterin hatte sich in Johannesburg in Südafrika um die niederländische Frau gekümmert, die nach ihrem Aufenthalt auf der »Hondius« mit einem KLM-Flug zurück nach Amsterdam fliegen wollte. Die Crew hatte sie aber wegen ihres Gesundheitszustandes nicht mitgenommen. Einen Tag später starb sie im Krankenhaus. Zuvor war bereits ihr Mann auf dem Schiff an dem Virus gestorben. Die Stewardess war am Mittwoch mit Symptomen in ein Krankenhaus in Amsterdam eingeliefert worden.

»Der Mensch ist ein Fehlwirt«

Der Experte Martin Eiden vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) erläuterte im »Morgenecho« auf WDR5, beim Hantavirus sei ausschließlich im Fall des sogenannten Andes-Typs eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich. Und auch bei diesem Virus-Typ seien weltweit bisher nur wenige Fälle bekannt geworden. Das Risiko einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung sei generell als sehr gering einzuschätzen, sagte Eiden. Sie seien bislang nur selten – so etwa im Jahr 1995 und 2018 in Argentinien – beobachtet worden. Dort gibt es das Andes-Virus. Bei anderen Hantaviren sei der Mensch ein »Fehlwirt«, erläuterte der Fachmann. Der Mensch könne sich mit dem Virus infizieren, es aber nicht weitergeben. 

Auf dem Kreuzfahrtschiff »Hondius« sind mehrere Infektionen mit dem Hantavirus bestätigt. Nach WHO‑Einschätzung handelt es sich um den Andes-Typ. Der WHO zufolge wurde der Andes-Typ bislang ausschließlich in den argentinischen Provinzen Chubut, Río Negro und Neuquén sowie im Süden von Chile registriert.

Schiff ist unterwegs nach Teneriffa

An Bord der »Hondius« zeigt nach Angaben der WHO derzeit niemand Symptome einer Infektion. Das Schiff hat von den Kapverdischen Inseln kommend Kurs auf Teneriffa genommen. Dort sollen alle knapp 150 Menschen noch an Bord untersucht und getestet werden. Unklar ist bislang, wie danach die Heimreise organisiert wird.

29 Passagiere hatten das Kreuzfahrtschiff bereits am 24. April auf der britischen Insel St. Helena im Süden des Atlantischen Ozeans verlassen. Das war den Angaben zufolge gut zehn Tage vor der Bestätigung des ersten Hantavirus-Falls. Forscher in Argentinien sollen nun die Frage nach dem Ursprung der Infektionen klären. In Ushuaia, ganz im Süden des Landes, wo die »Hondius« am 1. April in See gestochen war, sollen Nagetiere eingefangen und auf das Virus untersucht werden, wie die Regierung in Buenos Aires mitteilte.

Hantaviren werden üblicherweise durch infizierte Nager wie Ratten oder Mäuse übertragen. Das niederländische Paar, das die ersten Symptome zeigte und später an der Infektion starb, war laut argentinischer Regierung bereits seit 2025 in der Region unterwegs gewesen.

In Deutschland kursiert der Puumala-Typ

In Deutschland kursiert Experte Eiden vom FLI zufolge vor allem der Puumala-Virustyp aus der Familie der Hantaviren. Es wird ausschließlich über Ausscheidungen von infizierten Rötelmäusen auf den Menschen übertragen. Treffe man auf Ausscheidungsstaub – etwa in Garagen, Kellern oder auf Dachböden –, solle man diesen daher nur mit angelegter Atemmaske wegfegen, Kot immer mit Handschuhen wegschaffen, empfahl er. In den meisten Fällen verliefen Infektionen ohne Symptome, die Betroffenen bemerkten sie nicht einmal, berichtete er. Es sei hierzulande nur in wenigen Fällen zu schweren Erkrankungen gekommen, in der Regel bei vorerkrankten Patienten.

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.