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News: Hormonspiegel und Verhalten

Wie die Hormone in den verschiedenen Stadien der Menstruation auf die Psyche der Frauen einwirken, ist schwierig festzustellen. Amerikanische Wissenschaftler untersuchten nun die Hirne weiblicher Ratten daraufhin, wie sie durch Geschlechtshormone beeinflußt werden. Sie beschreiben, wie ein wechselnder Östrogenspiegel kognitive Funktionen und vielleicht sogar die Emotionen verändert.
G. B. Karkanias und seine Kollegen vom Albert Einstein College of Medicine in New York untersuchten den Einfluß des weiblichen Geschlechtshormons Östradiol auf die Anzahl der Hormonrezeptoren des Nervensystems (Dezember-Ausgabe von Neuroscience). Von deren Existenz hängt die Reaktion auf Nervenimpulse ab. Sind keine Rezeptoren vorhanden, so bleibt das Signal unbeachtet, während eine größere Menge von Rezeptoren bedeutet, daß ein Signal stark weitergeleitet wird und eventuell auch zu einer heftigen Reaktion führt.

Die Wissenschaftler benutzten in ihrem Experiment weibliche Ratten, die keine Eierstöcke mehr besaßen und aus diesem Grunde selbst kein Östradiol produzierten. Einem Teil dieser Ratten wurde eine 48-Stunden-Dosis von Östradiol verabreicht. Nach diesen 48 Stunden stellten die Forscher fest, daß sich im Hirn der mit Östradiol behandelten Ratten weniger Rezeptoren für Noradrenalin fanden als in der Vergleichsgruppe.

Karkanias behauptet, die geringere Anzahl von Rezeptoren lasse den Schluß zu, daß Östradiol auch mit der Reproduktion nicht zusammenhängende Hirnfunktionen beeinflußt, die durch Noradrenalin gesteuert werden. Er sagt, daß dieser Rezeptortyp – die alpha-adrenergen Rezeptoren – auch kognitive Funktionen wie Denken, Erinnerung, Lernen und Planen beeinflußt.

Es wird als wahrscheinlich angenommen, daß Östradiol darauf einwirkt, welche Menge von Noradrenalin in jenen Hirnregionen freigesetzt wird, die für die hormonelle Regulation zuständig sind. Die Signalfreigabe ist für das sexuelle Verhalten im Zeitraum um die Ovulation entscheidend. Die Untersuchung von Karkanias zeigt aber nun auch mögliche Ursachen für die mehr gefühlsbezogenen und das Verhalten betreffenden Reaktionen auf die Hormone auf. Das Östradiol beeinflußt die Menge von Noradrenalin, die durch die Rezeptoren „bemerkt” wird, indem es direkt die Anzahl dieser Rezeptoren verändert.

Die gleichen Rezeptoren für Noradrenalin wie bei den Ratten finden sich auch in menschlichen weiblichen Hirnen. Ein direkter Zusammenhang zwischen hohem und tiefem Östradiolspiegel und emotionalem Verhalten konnte aber bisher nicht festgestellt werden.

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