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Weltraumteleskop: Hubbles Hauptkamera ausgefallen

Die Advanced Camera for Surveys (ACS) des Hubble-Weltraumteleskops hat sich am Montag automatisch in den Sicherheitsmodus versetzt. Bislang weiß das ACS-Team nicht sicher, warum die Kamera den Dienst versagt – vermutet wird ein Ausfall in der Stromversorgung. Man wolle noch eine Woche nach der Ursache suchen und dann entscheiden, ob ein Neustart der Software oder eine Ersatz-Stromversorgung die Kamera wieder in Gang bringen soll. Gelingt dies nicht, wäre Hubble auf seinem derzeit wichtigsten Auge blind.

Die Forscher vermuten, dass ein einfaches elektronisches Bauteil wie ein Widerstand oder ein Kondensator versagt und damit die Niedervolt-Spannungsversorgung lahm gelegt hat. Für diesen Fall sollte die Ersatz-Stromversorgung schnell Abhilfe schaffen können. Da sie bisher aber nicht eingesetzt werden musste, könne man nur hoffen, dass sie funktioniert, erklärte Max Mutchler vom Space Telescope Science Institute in Baltimore. Außerdem müsste der ACS dann völlig neu kalibriert werden, was Wochen dauere. Eventuell hätten aber auch geladene Teilchen der kosmischen Strahlung Mikroprozessoren oder Speicherelemente gestört. Dies ließe sich dann mit einem Neustart der Kamera-Software ganz einfach beheben, so die Wissenschaftler.

Der ACS wude bei der vierten Wartungsmission des Weltraumteleskops im März 2002 eingebaut und ist heute das am häufigsten genutzte Instrument des Weltraumteleskops. Er besteht aus drei elektronischen Kameras, die im Bereich von Ultraviolett bis zum nahen Infrarot arbeiten. Das System hatte sich schon früher automatisch in den Sicherheitsmodus versetzt, doch waren alle Reaktivierungsversuche meist binnen eines Tages erfolgreich. Es sei eine ernste Angelegenheit, meinte Mutchler: "Wir sind ganz schön nervös."

Mit der nächsten Wartungsmission, die momentan für Ende 2007 geplant ist, soll Hubble noch eine weitere Kamera bekommen. Ob diese Mission aber stattfindet, hängt davon ab, ob der für den 1. Juli 2006 geplante Shuttle-Start erfolgreich verläuft. Nasa-Verantwortliche hatten das Hubble-Teleskop bereits als Auslaufmodell eingestuft, das keine weitere Wartung mehr erhalten sollte. Erst auf massiven Druck aus Wissenschaftlerkreisen wurde dem im April 1990 in seine Umlaufbahn gebrachten Weltraumteleskop noch eine Gnadenfrist eingeräumt.

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