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Nachruf: Hubert Markl ist tot

Der frühere Präsident der Max-Planck-Gesellschaft verstarb im Alter von 76 Jahren in Konstanz. Die deutsche Forschungspolitik verliert einen ihrer herausragenden Denker.
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Nach längerer Krankheit verstarb am Donnerstag Hubert Markl, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft von 1996 bis 2002, in Konstanz. "Wir haben mit ihm einen eloquenten Repräsentanten der deutschen Wissenschaft verloren, der wichtige Anstöße für eine innere Reform der Max-Planck-Gesellschaft gegeben hat", würdigte der aktuelle Präsident Martin Stratmann seinen Vorgänger in einer Mitteilung. Markls wissenschaftliche Laufbahn begann an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, wo er Biologie, Chemie und Geografie studiert und 1962 promoviert hatte. Nach einem Forschungsaufenthalt in den USA habilitierte er 1967 über das "Kommunikationsverhalten sozialer Insekten" an der Universität Frankfurt am Main. Seine Professur in Konstanz legte er 1986 nieder, um die Leitung der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu übernehmen; 1993 folgte die Präsidentschaft der neu gegründeten Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, und 1996 schließlich wählte ihn der Senat der Max-Planck-Gesellschaft zum obersten Forschungsorganisator.

Seine Amtszeit bis 2002 war unter anderem geprägt vom großen Umbruch der Max-Planck-Gesellschaft, die nach der Wiedervereinigung Deutschlands auch im Osten neue Institute gründen wollte, dafür aber keinen finanziellen Spielraum hatte. "In einem immensen Kraftakt verkleinerte und schloss der neue Präsident Abteilungen und Institute. Aber er konnte auch mit der Berufung von 153 Direktorinnen und Direktoren neue Akzente in der Forschung setzen", so die MPG in ihrem Nachruf. Markl gelang es dadurch, interdisziplinäre Einrichtungen wie das MPI für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden und das MPI für evolutionäre Anthropologie in Leipzig in Betrieb zu nehmen, die heute Weltruf haben. In seine Amtszeit fällt zudem die Aufarbeitung der Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Dritten Reich – eine Art Vorläufer der MPG.

"Ob für die Freiheit der Stammzellforschung, den Schutz der Artenvielfalt oder guten Biologie-Unterricht – Hubert Markl brillierte stets als streitbarer Geist, der Konflikte nicht scheute und konsequent Stellung bezog", so die MPG weiter. "Hubert Markl war einer der profiliertesten Wissenschaftsmanager der vergangenen Jahrzehnte. Er hat durch seine Eloquenz und seine gehaltvollen und geistreichen Beiträge in Wort und Schrift Wissenschaft auf höchstem Niveau nach außen repräsentiert und gleichzeitig in seiner Präsidentschaft Anstöße für eine innere Reform der Max-Planck-Gesellschaft gegeben, die die Gesellschaft bis heute maßgeblich prägen", würdigt Martin Stratmann seinen Vorgänger.

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