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Archäologie: Hühnerhaltung - ein Trend aus der Levante

Lange wurden Hühner nur als kuriose Exoten gehalten - bis auch Europäer plötzlich auf den Geschmack kamen. Wo und wann das geschah, wollen Forscher nun herausgefunden haben.
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Lange Zeit waren die in Südostasien domestizierten Haushühner (Gallus gallus) reine Exoten in Europa. Zwar tauchen sie schon im achten vorchristlichen Jahrhundert in Ländern rund ums Mittelmeer auf. Doch wie auch Flamingos oder Fasane dienten sie dabei wohl hauptsächlich der Zier, zur Unterhaltung in Hahnenkämpfen oder als exotische Ergänzung des Speiseplans. Das habe sich erst im vierten bis zweiten Jahrhundert v. Chr. geändert, erklären Forscher um Lee Perry-Gal von der University of Haifa – und zwar in der Levante.

Die hellenistische Siedlung Marescha gibt nach Meinung der Wissenschaftlerin und ihrer Kollegen Zeugnis von diesem Wandel in der Geflügelhaltung. Zahl und Art der Hühnerknochen, die sie hier ausgruben, deuten darauf hin, dass die Tiere wegen ihres Fleischs gehalten wurden. Die antike Ortschaft im heutigen Israel ist die älteste bekannte Siedlung, die Spuren einer solchen ökonomischen Geflügelhaltung zeigt. Sie nimmt damit eine Entwicklung vorweg, die sich andernorts erst ein Jahrhundert später zeigte, schlussfolgert das Team anhand einer Analyse von insgesamt 234 Ausgrabungen im weiteren Umkreis von Marescha. Womöglich gelang es Züchtern im östlichen Mittelmeerraum, die ursprünglich an ein anderes Klima angepassten Hühner an die südeuropäischen Verhältnisse zu akklimatisieren und so eine problemlosere Haltung zu ermöglichen. Erst dann konnte die Hühnerhaltung von ihrem Ausgangspunkt im heutigen Israel ihren Siegeszug antreten – vermutlich mit maßgeblicher Hilfe der Römer, die das Geflügel auch weiter im Norden etablierten.

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