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Hirnforschung: Human Brain Project stellt Online-Plattformen vor

Das umstrittene EU-Forschungsflaggschiff versucht, wieder auf Kurs zu kommen. Nun gehen sechs Plattformen online, mit denen die Integration der Neuroforschergemeinde gelingen soll. Der in die Kritik geratene Schöpfer des Projekts ist in den Hintergrund getreten.
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Hat das Human Brain Project (HBP) aus seinen Problemen gelernt, und kann es sie lösen? Diese Fragen muss das europäische Vorzeigeprojekt an der Schnittstelle von Informatik, Medizin und Neuroforschung beantworten, um seine Kritiker zu besänftigen. Die hatten mangelnde Transparenz und fehlende Kontrollmechanismen genauso bemängelt wie die Zielsetzung der Simulation des kompletten menschlichen Gehirns – und damit verbundene Heilsversprechen des "Masterminds" hinter dem HBP, Henry Markram von der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL). Die Kritik gipfelte in einem offenen Brief an die EU-Kommission, den mehrere hundert Neuroforscher unterschrieben und der zu einem Mediationsprozess führte, der das Projekt auf den richtigen Kurs zu leiten versuchte.

Auf dem Weg, das Vertrauen der Forscher zu gewinnen, die schließlich später als Nutzer über den Erfolg des Projekts entscheiden werden, hat das HBP nun ein wichtiges Zwischenziel erreicht. Sechs Plattformen, die Wissenschaftlern Zugang zu den Ressourcen des Projekts bieten sollen, wurden gestern in Lausanne vorgestellt. Die Plattformen gliedern sich in die Bereiche Neuroinformatik, Hirnsimulation, High Performance Computing, Medizininformatik, Neuromorphes Rechnen und Neurorobotik. Sie sollen Daten, Soft- und Hardware, die aus dem HBP hervorgehen, einer Nutzer-Community zur Verfügung stellen. Einige Plattformen sollen jedoch nur begrenzte Kapazitäten besitzen oder vorerst HBP-Forschern vorbehalten bleiben.

"Das letztendliche Ziel des Human Brain Project ist es, eine European Research Infrastructure zu werden", sagte Philippe Gillet, leitender Manager des HBP. Zu dieser Art der Forschungsinstitutionen gehören unter anderem auch der Teilchenbeschleuniger CERN, die Europäische Südsternwarte ESO oder die Synchrotronquelle ESRF. Der Mediationsbericht hatte dieses Ziel bereits ausgegeben. Dass sich Henry Markram als geistiger Schöpfer des Projekts bei der Präsentation der Online-Plattformen nicht zeigte, kann man als Zeichen des Bemühens des HBP deuten, die Wogen zu glätten. Markrams vermeintlich übermächtige Rolle war von vielen Kritikern und auch im Mediationsbericht äußerst negativ für die Zukunft des Projekts gesehen worden. Mit den sechs Online-Plattformen wird sich nun zeigen, ob das HBP den richtigen Weg eingeschlagen hat.

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