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Hydrodynamik: Hunde trinken mindestens so raffiniert wie Katzen

Hund trinkt
Hunde verspritzen beim Trinken mehr Flüssigkeit als Katzen – was Wissenschaftler lange zu der Annahme verleitete, sie benutzten eine weniger elegante Trinktechnik. Sie hatten beobachtet, dass die Vierbeiner mit ihrer nach hinten gebogenen Zunge ein kleines Schüsselchen formen, dieses in die Flüssigkeit eintauchen und füllen. Daher nahmen sie an, dass die Hunde die Flüssigkeit in ihr Maul "löffeln". Katzen hingegen löffeln nicht. Zwar biegen auch sie ihre Zungenspitze nach hinten, aber sie tauchen die Zunge nicht ein, sondern bringen ihre Vorderseite lediglich in Kontakt mit der Flüssigkeitsoberfläche. Beim Zurückziehen der Zunge wird eine Flüssigkeitssäule mitgerissen, dessen oberen Teil das Katzenmäulchen einfängt.

Nun haben Forscher der Harvard University in Cambridge mit Hilfe einer Hochgeschwindigkeitskamera gezeigt, dass Hunde doch die gleiche Technik wie Katzen benutzen. Der "Löffel" wird zwar gefüllt, leert sich aber beim Zurückziehen der Zunge wieder. Wie bei der Katze haftet an der Zunge eine Flüssigkeitssäule, die beim Zurückziehen der Zunge in die Höhe schnellt und von der Hundeschnauze geschnappt wird. Wie Hunde anschließend die Flüssigkeit gegen die Schwerkraft durch ihre längliche Mundhöhle zum Rachen transportieren, so dass sie sie verschlucken können, klärten Alfred Crompton und Catherine Musinsky mit Hilfe einer Hochgeschwindigkeitsröntgenkamera. Es zeigte sich, dass die Vierbeiner eine äußerst raffinierte Technik benutzen.

Die Zunge fungiert dabei als eine Art Förderband, das gleichzeitig drei Schlucke Flüssigkeit zum Rachen transportiert. Der Hund presst die Zunge gegen die Oberseite der Mundhöhle, nachdem er einen Schluck aufgeschnappt hat. Dadurch wird der Schluck in den Rillen der Mundhöhle festgehalten. Der vorletzte Schluck befindet sich weiter hinten auf der Zunge, in einer Höhlung unmittelbar vor dem Rachen. Auch er wird durch die angepresste Zunge am Auslaufen gehindert. Der Hund streckt nun die angepresste Zunge aus, um den nächsten Schluck zu holen. Wenn er dann die Zunge bei geöffnetem Maul wieder kontrahiert, um den neuen Schluck einzuholen, werden die zwei letzten Portionen weiter Richtung Rachen transportiert, die hinterste Ladung wird verschluckt. Der gesamte Zyklus dauert gute drei Zehntelsekunden, wie die Forscher feststellten. Warum Hunde nun aber beim Trinken schlabbern, Katzen jedoch nicht, ist damit weiter ungeklärt. (cm)

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  • Quellen
Bio. Lett. 10.1098/rsbl.2011.0336, 2011

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