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Das aktuelle Stichwort: Hurrikane

Im Juni startet die atlantische Hurrikan-Saison - bis November hält dann die Angst vor zerstörerischen Wirbelstürmen die Bevölkerung der Küstenstädte und der karibischen Inseln in Atem. Die Schäden liegen nicht selten in Milliardenhöhe.
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Hurrikan "Gustav" kurz vor New Orleans | Der Hurrikan "Gustav" könnte mit der Stärke 3 auf die Küste der US-Südstaaten prallen – er wäre damit ähnlich stark wie "Katrina" vor drei Jahren, die allein in New Orleans mehr als 1500 Todesopfer forderte und Schäden in Milliardenhöhe angerichtet hatte.
Gefürchtet werden jedoch weniger die heftigen Winde des Sturms, sondern vielmehr die Wassermassen, die er vor sich herschieben könnte: Bis zu neun Meter hohe Wellen ließen vor drei Jahren die Dämme rund um New Orleans bersten und den angrenzenden Lake Pontchartrain sich in tief gelegene Stadtteile ergießen. Vier Fünftel der Metropole wurden damals überflutet, mindestens 1500 Menschen starben. In der Zwischenzeit wurden zwar viele der Deiche verstärkt und wieder ausgebessert, doch befürchten Experten immer noch viele Schwachstellen im System, die unter dem Anprall der Wassermassen nachgeben könnten.

Um eine humanitäre Katastrophe wie vor drei Jahren zu verhindern, ordnete der Bürgermeister der Stadt Ray Nagin die Evakuierung aller Bewohner an. Ärmeren Bewohnern ohne Autos wurden Busse zur Verfügung gestellt. Auch die Ölplattformen vor der Küste wurden mittlerweile geräumt und der Betrieb eingestellt: Der Ölpreis stieg wegen der Verknappung bereits. Während der Evakuierungen starben drei Menschen, ein weiterer wurde in schwerer See vor Florida über Bord gespült.

Bereits zuvor forderte "Gustav" auf seinem Zug durch die Karibik viele Menschenleben: In Haiti und der Dominikanischen Republik starben mindestens 95 Menschen. Viele Gebiete waren wegen Erdrutschen in den Bergen und Überschwemmungen an den Flussläufen von der Außenwelt abgeschnitten. Der Sturm zog von Hispaniola dann mit elf Kilometern pro Stunde langsam in nordwestlicher Richtung durch die Karibik und überquerte den Westen des Kubas, wo er allerdings vor allem Sachschäden hinterließ.

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Voraussichtliche Zugbahn | Voraussichtliche Zugbahn von "Gustav".
-->Hurrikane entstehen unter anderem erst dann, wenn sich das Oberflächenwasser in ihrem Entstehungsgebiet auf mindestens 26,5 Grad Celsius erwärmt und gleichzeitig die im Bereich des tropischen Wirbels aufsteigende Luft in der Höhe rasch abgeführt werden kann. Dies war insbesondere vor der heftigen Hurrikansaison 2005 der Fall, als ein stabiler Hochdruckrücken über den östlichen Vereinigten Staaten und dem westlichen Nordatlantik die Hurrikane mit gedeihen ließ.

Treffen dann so genannte atmosphärische Wellenstörungen – die Easterly Waves, die aus Tiefdruckgebieten in Westafrika hervorgehen können – auf diese vorteilhaften Bedingungen, beginnen sie Feuchtigkeit aus dem Meer zu saugen. Im Atlantik ist dies nur von Juni bis November in einem relativ schmalen Band zwischen dem fünften und dreißigsten Breitengrad nördlich des Äquators möglich, südlich davon bis zum Äquator selbst verhindert die hier sehr schwache Ablenkung durch die Coriolis-Kraft eine Entstehung – sie ist nötig, um die Luftmassen überhaupt in Rotation zu versetzen.

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Entstehungshilfen für Hurrikane | Gegenwärtig herrschen im Atlantik Bedingungen, die die Entstehung von Hurrikanen begünstigen – etwa erhöhte Wassertemperaturen, hoher Luftdruck in höheren Atmosphärenschichten und häufige Wellenstörungen in der Luftbewegung.
Die aufgenommene Feuchtigkeit kondensiert in höheren, kühleren Atmosphärenschichten zu Wolken und setzt große Mengen an Kondensationswärme frei, die wiederum das Innere des Wirbelsturms aufheizt. Dadurch wird mehr Luft um einen zentralen Punkt kreisend aufwärts gesaugt: Das Auge des Sturms beginnt sich zu bilden. Das gesamte kreisförmige Tiefdruckgebiete kann einen Durchmesser von mehreren hundert Kilometern und Windgeschwindigkeiten bis zu 300 Kilometern pro Stunde erreichen. Das hingegen windschwache und oft wolkenfreie Auge ist meist nur 15 bis 30 Kilometer groß, kann aber auch bis zu 70 Kilometern messen.

Die sich entgegen dem Uhrzeigersinn spiralig nach innen drehenden Wirbelstürme, die mit fünf bis 20 Kilometern pro Stunde recht langsam ziehen, bewegen sich anfangs mit der vorherrschenden atmosphärischen Strömungsrichtung erst stets westwärts. Sobald die ablenkende Coreoliskraft mit zunehmender Entfernung zum Äquator stärker wird, drehen die Hurrikane dann langsam Richtung Norden ab, in Einzelfällen können sie allerdings über Mittelamerika hinweg bis zum Pazifik ziehen. Erreichen sie Festland, kommt es zu starken Verwüstungen und sintflutartigen Regenfällen und Überschwemmungen. Da die Hurrikane aber ständigen Energienachschub an warmer, feuchter Luft brauchen, um ihre Stärke zu behalten, verlieren sie an Land schnell ihre Kraft und werden zu gewöhnlichen Tropenstürmen mit allerdings immer noch ergiebigen Niederschlägen.

Eingeteilt werden die Stürme nach der so genannten Saffir-Simpson-Hurrikan-Skala, die von 1 bis 5 reicht: Je intensiver der Luftdruck in Bodennähe absinkt, desto stärker fällt der Zyklon aus. Erreichen seine Spitzengeschwindigkeiten etwa 120 Kilometer pro Stunde, fällt er in die niedrigste Hurrikan-Kategorie 1, die mit leichten Überschwemmungen und Schäden an Bäumen oder Wohnwägen noch relativ harmlos ist. in Kategorie 5, die "Katrina" zeitweise erreichte, wehen die Winde dann schon mit mehr als 250 Kilometern pro Stunde; meterhohe Wellen branden an die Küste, Gebäude werden teilweise völlig zerstört und viele Bäume geknickt oder entwurzelt. (dl/jo)
30.08.2008

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 30.08.2008

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