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Mineralogie: Ichnusait - seltener geht es kaum

Von manchen Mineralen kennt man extrem wenige Beispiele - weil sie nur unter extremen Bedingungen und lediglich lokal entstehen. Das zeigt eine neue Kartierung.
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Mehr als 5000 Minerale haben Geologen bislang weltweit bestimmt und klassifiziert – doch nur rund 100 davon machen 99 Prozent der Erdkruste aus. Mehr als die Hälfte des überwiegenden "Restes" ist hingegen so selten, dass sie nach gegenwärtigem Stand der Dinge nur an maximal fünf Standorten nachgewiesen wurden. Eine entsprechende Liste veröffentlichen Robert Hazen von der Carnegie Institution und Jesse Ausubel von der Rockefeller University im "American Mineralogist". Zu den Raritäten gehören beispielsweise Minerale, die löslich sind, an der Luft oder allein durch UV-Strahlung zerfallen. Andere entstehen nur unter extremen Bedingungen, die an sehr wenigen Orten vorhanden sind.

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Ichnusait | Von diesem Mineral kennt man bislang nur ein Exemplar, das auf Sardinien gefunden wurde.

Hatrurite beispielsweise bestehen aus Kalzium, Silizium und Sauerstoff, die jeweils häufig bis sehr häufig in der Umwelt vorkommen. Das Mineral entsteht allerdings erst bei Temperaturen von mindestens 1250 Grad Celsius, sofern das ebenfalls sehr häufige Aluminium abwesend ist. Edoylerit – eine Verbindung aus Quecksilber, Chromoxid und Schwefel – zerfällt sofort unter Tageslicht. Eines der seltensten ist nach gegenwärtigem Stand der Dinge das Mineral Fingerit vom Vulkan Izalco in El Salvador, dessen Entstehung die Wissenschaftler als "perfekten Sturm der Seltenheit" bezeichnen: Es entwickelt sich nur, wenn das ebenfalls in der Erdkruste nicht häufige Element Vanadium sowie Kupfer in einem ganz bestimmten Verhältnis zueinander vorkommen. Es löst sich auf, wenn es mit Wasser in Berührung kommt – und es wird nur selten gesammelt, da es sich an aktiven Fumarolen des aktiven Vulkans bildet. Deshalb kennen es Geologen bislang auch nur von diesem Standort. Es wurde erst 1983 beschrieben und nach dem Kristallografen Larry Finger benannt. Andere Minerale wie das oben gezeigte Nevadait hat man immerhin bereits an zwei Orten – nahe Eureka in Nevada und in einer Kupfermine in Kirgistan – es beinhaltet auch Kupfer und Vanadium, dazu Fluor, Phosphor und Aluminium. Dagegen kennt man vom Ichnusait sogar nur ein einziges Exemplar, das je gesammelt wurde: Es stammt aus Sardinien, entstand in der Erdkruste und vereinigt Thorium und Molybdän.

Um als selten zu gelten, müssen die Minerale mindestens eine von vier Kategorien erfüllen, welche die beiden Geowissenschaftler aufgestellt haben: Sie entstehen unter einzigartigen Bedingungen, die nur selten vorkommen, oder bestehen aus Elementen, die für sich genommen kaum in der Erdkruste vorhanden sind. Sie sind leicht flüchtig, weil sie sich in Wasser oder unter Luftzufuhr rasch ändern, oder stammen von selten besuchten Lokalitäten – weil diese unzugänglich oder zu gefährlich sind. Die von Menschen wertgeschätzten Edelsteine fallen dagegen üblicherweise nicht unter die Raritäten, so Hazen und Ausubel. "Diamanten, Rubine, Smaragde und andere Edelsteine finden sich an zahlreichen Orten und werden in kommerziellen Mengen verkauft. Sie sind also nicht selten in unserem Sinne. Wenn Sie einem Liebsten also etwas wirklich Rares schenken wollen, sollten Sie zu einem Ring mit Ichnusait greifen", so Hazen. Die Liste ist allerdings nicht nur eine akademische Spielerei: Viele der seltenen Minerale machen unseren Planeten nach bisherigem Wissen einmalig im Sonnensystem; zudem liefern sie Informationen über geologische und petrologische Vorgänge auf der Erde.

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