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News: Im Anflug auf Merkur

Nach 33 Jahren erhält der innerste und kleinste Planet des Sonnensystems wieder Besuch von der Erde. Am 14. Januar wird sich die US-Raumsonde Messenger seiner kraterübersäten Oberfläche bis auf 200 Kilometer annähern und ihn erstmals untersuchen.
Raumsonde Messenger beim Merkurvorbeiflug
Merkur ist ein Stiefkind der Planetenforschung. Nur die Nasa-Sonde Mariner 10 flog in den Jahren 1974 und 1975 dreimal an ihm vorbei und konnte dabei rund 45 Prozent seiner Oberfläche mit ihrer Kamera erfassen. Die Bilder enthüllten eine kraterreiche Oberfläche, die derjenigen des Erdmonds zum Verwechseln ähnlich sieht.

Wie unser Trabant ist Merkur eine Art Museumswelt, da seine geo­logische Aktivität vor mehr als drei Milliarden Jahren erlosch. Seitdem verändert sich seine Oberfläche nur noch durch Einschläge von Planetoiden und Kometen, die dabei riesige Krater reißen. Abgesehen von erdgebundenen Radarbeobachtungen mit Radioteleskopen beschäftigte sich seit Mitte der 1970er Jahre kaum noch ein Forscher mit ihm.

Nun aber erwacht das Interesse am Merkur erneut, denn die im August 2004 gestartete US-Raumsonde Messenger soll ihn bald im Detail erkunden. Erste Gelegenheiten bieten die insgesamt drei Merkur-Flyby-Manöver, mit denen der Kundschafter seine Geschwindigkeit angleicht. Im letzten Sommer nutzte Messenger bereits zum zweiten Mal die Venus zum Abbremsen, davor bediente er sich der Erde. Im März 2011 reicht dann endlich ein kurzer Raketenschub der Bordtriebwerke, um in eine Umlaufbahn einzuschwenken.

In rund 2,7 Millionen Kilometer Entfernung nahm Messenger am 9. Januar erstmals Bilder des sonnennächsten Planeten zu Navigationszwecken auf. Sie sind nicht sonderlich scharf und zeigen hauptsächlich die Sichelgestalt des Merkur. Sollten sich kleinere Abweichungen zur geplanten Bahn ergeben, können die Flugleiter vor dem Flyby noch Bahnkorrekturen durchführen.

Am 14. Januar 2008 um 20.10 Uhr fliegt Messenger bis auf 200 Kilometer an Merkur heran. Dabei befindet sich die Sonde auf der Nachtseite des Planeten und kann keine Bilder aufnehmen. Dafür tastet der Laserhöhenmesser die Oberfläche ab und erstellt ein erstes Höhenprofil. Sechzehn Minuten nach dem dichtesten Vorbeiflug ist Messenger schon wieder 4400 Kilometer von Merkur entfernt und wird ihn noch bis zum 17. Januar unter Beobachtung halten. Der nächste Flyby steht für Oktober 2008 auf dem Programm.

TA, Sterne und Weltraum

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