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News: Im Trommelfeuer der Neuronen

Allein in Amerika leiden über zwei Millionen US-Bürger an Epilepsie. Bei mehr als einem Viertel der Betroffenen schlagen die üblichen Behandlungsmethoden nicht an. Doch wenn die Anfälle immer wieder auftreten, wird das normale Leben durch die Krankheit stark eingeschränkt. Für viele dieser Epileptiker bestand die einzige Hoffnung in einer risikoreichen Operation. Wenn einige Anfälle jedoch auf überhöhte Nervenkommunikation zurückzuführen sind, könnten sie durch schonendere Methoden vermieden werden.
Der Epilepsie-Typ, den Raima Larter und Robert Worth mit ihrem Team an der Indiana University Purdue University in Indianapolis untersuchten, wird von kleinen, kranken Abschnitten des Gehirns ausgelöst. Anscheinend beeinflußt das kranke Gewebe während eines Anfalls auch gesunde Bereiche und veranlaßt diese, sich ebenfalls abnormal zu verhalten (Chaos von September 1999). Solchen Patienten konnte bislang nur mit einer risikoreichen Gehirnoperation geholfen werden. Dabei besteht allerdings das Risiko, daß Gedächtnisverlust und Beeinträchtigung des Sprachzentrums auftreten.

Doch die neuen Ergebnisse könnten, sagt Larter, "zu neuen weniger drastischen Behandlungsmethoden der Anfälle führen". Ihr Team glaubt erstmalig herausgefunden zu haben, welche Prozesse im Gehirn einem epileptischen Anfall vorangehen. Zwar ist noch nicht bekannt, was genau den Anfall selbst bedingt, doch herrscht unter Hirnforschern eine allgemeine Vorstellung über das Verhalten der Neuronen im Vorfeld. Während unter normalen Umständen benachbarte Neuronen unkoordiniert feuern, gehen die Nervenzellen unmittelbar vor einem Anfall zu gemeinsamen, periodischen Signalen über. Diese, so glaubt nun das amerikanische Team, werden durch die Geschwindigkeit erzeugt, mit der die Neuronen im gesunden Hirngewebe kommunizieren. Gewöhnlich ist nicht vorhersehbar, wann Nervenzellen feuern. Doch wenn die Abstände zwischen den Signalen kleiner werden, fangen Neurongruppen schnell an, im Gleichklang zu feuern – was häufig in einem Anfall endet.

Besonders wichtig ist nach Meinung von Worth, daß die Ergebnisse "erklären, warum Anfälle kommen und gehen." Nur wenn die Kommunikationsgeschwindigkeit im Gewebe ansteigt, werden gesunde Neuronen mitgerissen. Falls die Geschwindigkeit durch Medikamente oder elektrische Stimulation im richtigen Moment beeinflußt wird, würde die Kommunikation zwischen kranken und gesundem Gewebe "kurzgeschlossen". Nach Worths Meinung ließe sich der Anfall so verhindert. Patienten, für die derzeit nur die Aussicht auf eine Operation besteht, könnten eine schonendere Methode wählen, um ihre Krankheit zu kontrollieren. Vielen andere, bislang ohne jede Option, würde der Weg zu einem normalen, anfallfreien Leben geöffnet.

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