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Kindesentwicklung: Imitieren uns Babys doch nicht?

Eine neue Studie zeigt: Möglicherweise sind wir keine geborenen Nachahmer.
Baby

Schon in ihren ersten Lebenswochen beginnen Babys damit, die Geräusche, Gesten und Gesichtsausdrücke anderer Menschen nachzuahmen – darauf deuteten zumindest in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Studien hin. Andere Untersuchungen konnten dagegen keine solchen Fähigkeiten bei Kleinkindern entdecken und warfen Zweifel an den Ergebnissen auf. Wissenschaftler um Virginia Slaughter von der University of Queensland in Brisbane, Australien, machten nun noch einmal die Probe aufs Exempel – und kamen dabei ebenfalls zu dem Schluss, dass Babys offenbar keine geborenen Imitatoren sind.

Die Wissenschaftler glauben, dass die bislang widersprüchlichen Ergebnisse vor allem der Tatsache geschuldet sind, dass Forscher in vielen Untersuchungen lediglich testeten, ob Kinder ihre Zunge rausstrecken oder den Mund öffnen würden, wenn ihre Eltern es ihnen vormachen. Ein solches Verhalten könnte aber auch schlicht eine Reaktion darauf sein, dass Mama oder Papa gerade etwas Interessantes tut. Slaughter und ihr Team führten 106 Kleinkindern deshalb zum Vergleich gleich elf verschiedene Gesten oder Gesichtsausdrücke vor und schauten im Alter von einer, zwei, sechs oder neun Wochen, ob die Kinder diese gezielt nachahmten. Dabei entdeckten die Forscher, dass es insgesamt keine Rolle spielte, was die Eltern ihren Babys vorzeigten – sie machten es deshalb nicht häufiger nach; die Chance, dass sie etwas völlig anderes taten, war genauso groß. Das deutet in Slaughters Augen darauf hin, dass Babys Imitieren erst lernen müssen, indem sie anderen beim Nachahmen zuschauen – oder etwa selbst nachgeahmt werden. Eltern würden ihre Kinder am Anfang etwa alle zwei Minuten imitieren, so die Forscherin. Als Nächstes will sie junge Probanden in einer ähnlichen Studie bis zum zweiten Lebensjahr begleiten, um herauszufinden, wann genau sie damit anfangen, andere zu kopieren.

19/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 19/2016

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